von Marion Küpker
In Gent (Belgien) trafen sich Ende März neun AktivistInnen aus sieben Ländern zu einem gemeinsamen Erfahrungs- und Informationsaustausch.Vernetzung und Veranstaltungen
Die Kontakte zwischen den europäischen Gruppen werden aus- bzw. aufgebaut. Dazu wurden KoordinatorInnen bestimmt. Marion Küpker (GAAA) ist Ansprechperson in Deutschland.
Ein nächstes Koordinierungstreffen findet am 2. November 2002 voraussichtlich in Gent statt. Es soll eine mögliche gemeinsame internationale Aktion diskutiert werden, z.B. EUCOM oder NATO Hauptquartier, in dem sich die "Nuclear Planning Group" jedes halbe Jahr trifft (Juni/Dezember). Geplant sind ein bis zwei Koordinierungstreffen jährlich.
Die "Lakenheath Action Group" (LAG) hat sich gerade neu gegen die größte U.S. Militärbasis zusammengefunden. Es gibt nur einen F15 Kampfflugzeugstützpunkt in Europa mit 30-33 B61 Atombomben. Da Lakenheath ein amerikanischer Stützpunkt ist, will die offizielle britische Regierungspolitik nichts damit zu tun haben. Amerika bestätigt weder, dass dort Atombomben vorhanden sind noch wird es verneint. Es wurde aber von ihnen ein Heftchen an das Militärpersonal verteilt, um sich im Falle von atomaren Unfällen richtig verhalten zu können.
Ein zukünftiges Ziel wird sein, eine lokale Unterstützergruppe aufzubauen. Eine der größten dort organisierten Aktionen fand im April 1986 statt, als Kampfflugzeuge von dort nach Libyen starteten. Es gab Tag und Nacht Mahnwachen. Die "LAG" misst der Region zusätzlich besondere Bedeutung zu, da nur wenige Kilometer entfernt der Feltwell Stützpunkt liegt, von dem sie glaubt, in die Raketenabwehr involviert zu sein. Sie arbeiten eng mit Trident Ploughshares in Schottland zusammen und nutzen deren Netzwerk von 2000 Menschen.
Die "LAG" plant für den 6. Oktober eine Aktion, die aus drei Teilen besteht. Gemeinsam findet ein Demonstrationszug zum Militärstützpunkt statt. Dort soll der Haupteingang blockiert und eine Inspektion des Militärgeländes vorgenommen werden. Seit den Anschlägen des 11. September hat Lakenheath die höchste Sicherheitsstufe (Delta Alert).
Beeinflusst durch das Gutachten des Internationalen Gerichtshofes von 1996 und die Nürnberger Prinzipien von 1946 fand sich eine Gruppe von Menschen zu Pflugscharaktionen gegen den britischen Atom U-Bootstützpunkt in Schottland zusammen. Diese Aktionsform hat zwar einen christlichen Hintergrund, dennoch spielt die Religionszugehörigkeit keine Rolle. 1999 wurden drei Frauen freigesprochen, die teures Material aus einem Laborschiff ins Wasser warfen. Ein wichtiges ballistisches Gerät, welches über Bord ging, verspätete die Fertigstellung um über drei Monate. Später entschied das höchste schottische Gericht, dass das vorige Urteil falsch war. Die Freilassung ist damit zwar nicht rückgängig zu machen, allerdings kann das ursprüngliche Urteil nicht für weitere Verfahren herangezogen werden. Gerichtskosten werden grundsätzlich vom schottischen System gezahlt. Politische Verantwortliche verweigern die Diskussion und reichen die Verantwortung weiter. Im letzten Jahr gab es Blockaden mit über 400 Menschen und 380 Verhaftungen. Alle drei Monate findet ein Camp statt.
In Aldermaston werden die atomaren Atom U-Boot Sprengköpfe hergestellt. Da das Werk 9 Tore besitzt, ist eine Blockade sehr schwierig.
Die vergangenen Inspektionen auf der Militärbasis in Volkel haben zu großen finanziellen Schwierigkeiten geführt. Aus diesem Grund soll dieses Jahr keine eigene Aktion durchgeführt werden. Dafür ist geplant, einen Bus für die Aktionen am 5. Oktober in Kleine Brogel/Belgien zu organisieren.
Die bekannten Gruppen und Personen machen überwiegend Lobbyarbeit. Serge, ein älterer Franzose, der uns über den Friedensmarsch "For a Nuclear Free Future" bekannt ist, macht immer wieder Einzelaktionen auf französischen Militärbasen, für die er Geldstrafen bekommt.
Obwohl Irland kein Land mit einer nuklearen Teilhabe oder eigener atomarer Bewaffnung ist, gibt es dort eine aktive Gruppe: "Umweltstudenten gemeinsam gegen Sellafield". Sie nimmt regelmäßig an Aktionen in Schottland (Faslane, Trident Ploughshares) und England (Sellafield) teil. Im eigenen Land leisten sie Öffentlichkeits- und Mobilisierungsarbeit.
IPPNW plante 1999 eine Mahnwache vor der Militärbasis Araxos, wo zu diesem Zeitpunkt B 61 Bomben stationiert waren. Sie wechselten diese Mobilisierung durch den Beginn des Krieges gegen Jugoslawiens zu einer Mobilisierung gegen den Krieg. Anfang 2000 wurden die Atomsprengköpfe abgezogen. Unklar ist wohin und ob diese Zusage für immer gilt. Es handelt sich immer noch um einen aktiven Atomwaffenstützpunkt. Eine erneut geplante Aktion im Oktober 2001 wurde wegen der Terroranschläge wieder abgesagt. Ein aktueller Slogan ist: "Bringt die Atomwaffen nicht zurück!" Es wird befürchtet, dass bei möglichen zukünftigen Inspektionen der Russen auf U.S. Atomwaffenstützpunkten, die Atomsprengköpfe zwischen einer der dreizehn europäischen Atomstützpunkte hin und hergeschoben wird. Die US-Regierung weigert sich, der "Nichtumkehrbarkeit" zuzustimmen.
B61 Bomben gibt es u.a. auch auf dem Luftwaffenstützpunkt Aviano. Vier Aktivisten aus der Friedensbewegung mit dem Namen "Segne andere Friedensmacher" haben letzten August ein Camp, Pax Christi einen Friedensmarsch nach Aviano organisiert.
Im Westen der Türkei liegt der Luftwaffenstützpunkt Incirlic mit B 61 Bomben.
For Mother Earth hat durch gezielte Lobbyarbeit und Inspektionen des Luftwaffenstützpunktes Kleine Brogel die Atomwaffenfrage in die belgische Öffentlichkeit transportiert. Bei Gerichtsverfahren kam es in der Regel zu Freisprüchen, da sie bei bestimmten Straftaten grundsätzlich vor Geschworenen stattfanden. Der Friedensmarsch 1999 vom internationalen Haager Gerichtshof zum NATO-Hauptquartier in Brüssel war durch seine internationale Beteiligung und die Medienberichterstattung erfolgreich. Der Friedensmarsch begann im Anschluss an die Konferenz des Haager Appells, an der über 10 000 Menschen aus Nichtregierungsorganisationen weltweit teilnahmen. Im Jahr 2001 nahmen an der Inspektion des Atomwaffenlagers bereits über 1000 Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen teil. For Mother Earth erhofft dieses Jahr den Abzug der U.S. Atomwaffen erzwingen zu können, weiß aber auch, dass dies unter Umständen nur eine Verlegung in ein anderes europäisches Land bedeuten könnte. Am 5. Oktober ist eine Masseninspektion in Kleine Brogel geplant. Durch das seit 2 Jahren bestehende ökologische Zentrum und mehreren internationalen Aktivisten aus Schottland, Finnland, Griechenland, Deutschland, und Belgien, die im Rahmen des ökologischen freiwilligen Jahres für For Mother Earth in Gent gegen Atomwaffen arbeiten, hat sich die Situation um einiges verbessert.
Vielfältige Veranstaltungen der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen seit Gründung im Jahr 1996 führten zu einem Anwachsen des öffentlichen Bewusstseins über die Politik der nuklearen Teilhabe und der Lagerung von Atomwaffen. Neben der bundesweiten Kampagnenarbeit ist mittlerweile auch eine lokale Gruppe in Büchel aktiv. Zuletzt war die GAAA wegen der versuchten Inspektion am 30. September, der Kriminalisierung (Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung des Computers, Strafbefehl für Geschäftsführer) und einer Inspektion Anfang April 2002 im Bild der Öffentlichkeit.
Für 2002 ist eine Aktion in der Bundeshauptstadt gemeinsam mit der Friedensbewegung geplant um die gegenwärtige atomare Bedrohung zu thematisieren. B 61 Atomsprengköpfe in Büchel könnten in Zukunft auch ausgetauscht werden mit B 61-11 Atomsprengköpfen, die als sog. Mini Nukes laut der neuen US Atomstrategie gegen Bunker eingesetzt werden könnten.
Für 2003 ist bereits eine Aktion zur berühmten 20 jährigen Promiblockade Mutlangen angedacht.
Munition mit abgereichertem Uran spielte in der Vergangenheit in allen europäischen Ländern noch eine untergeordnete Rolle. A-10 Warzenschwein -Tornados, u.a. in Spangdahlem bei Trier stationiert, und deren radioaktive 30mm Munition kamen im Jugoslawienkrieg 1999 zum Einsatz.