
Aktionen Zivilen Ungehorsams auf und an europaischen Militärbasen mit US
Atombomben im Okt. 2002 in Belgien (Kl. Brogel) und Großbritanien
(Lakenheath)!
In sieben europäischen Ländern (Türkei, Italien, Holland, Belgien, BRD, Großbritanien
und Griechenland z.Z. verlegt), gibt es aktive Atomwaffenstützpunkte mit US B-61
Atomsprengköpfen. Mit den entsprechenden Trägerkampfflugzeugen wie den F-15 und
F-16, sowie den Tornadojets, werden Übungsflüge durch die Alliierten NATO
Mitglieder, sowie den dauerhaft stationierten US Soldaten durchgeführt. Trotz der
völkerrechtlichen Illegalität dieser Waffen (Urteil des internationalen Gerichtshofes in
Den Haag 1996), hält die NATO an ihrer Option des Erstschlages und neuerdings sogar
gegen Länder, die selbst keine Atomwaffen besitzen, fest. Der durch weltweiten Druck
durchgesetzte internationale Atomteststoppvertrag, mit seinem Versprechen zukünftig
die Abschaffung der Atomwaffen zu verhandeln, wurde im nachhinein vom US Kongress
nicht ratifiziert. Der US Präsident G.W. Busch entscheidet z.Z. über einen Einsatz dieser
in Europa stationierten Atomwaffen.
Im Oktober gab es die größte Inspektionsaktion in Belgien gegen die 11 B-61 US
Atomsprengköpfe, die seit 1961 (bis vor wenigen Jahren noch unter Geheimhaltung)
auf der Militärbasis Kl. Brogel stationiert und mit den dazugehörigen F-16
Bombern allzeit zum Kriegseinsatz bereit sind!
Internationales Jugendcamp in Belgien
von Timo Schäfer, Hamburg
Eine Bewegung, die den Blick auf die Zukunft gerichtet hält, braucht vor allem eines,
nämlich Nachwuchs. Dies sagte sich die belgische Organisation „For Mother Earth"
(www.motherearth.org) und organisierte Anfang Oktober ein einwöchiges Anti-Atomwaffencamp für junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren in Gent.
Unter dem Namen ‚Youth Exchange - Youth for a Nuclear Free Europe' wurde das
Camp von der Europäischen Union gesponsert. Teilnahme, Verpflegung und Unterkunft
(bei Gastfamilien) waren gratis, von den Reisekosten wurden immerhin 70%
zurückerstattet. Im Mittelpunkt des Camps stand eine für den Samstag geplante Aktion
zivilen Ungehorsams am US-Atomwaffenstützpunkt Kl. Brogel.
Die 85 jungen TeilnehmerInnen kamen aus Finnland, Norwegen, Schweden und Spanien.
Jeweils 8 Personen waren aus Italien und Deutschland dabei, während Belgien selber
kurioser weise mit nur ein paar Organisatoren vertreten war.
Atmosphäre des Camps!
Und wie das eben so ist, wenn junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern und, in
geringem Maße, auch aus unterschiedlichen Kulturen zusammentreffen, in der Mehrzahl
schlechtes Englisch sprechen und der ungewohnten Umgebung ohnehin etwas unsicher
sind, klüngelte mensch zunächst mit seinen/ihren Landsleuten zusammen, sprach die
Mutter/Vatersprache und versuchte, sich innerhalb der vielen neuen Gesichter zu
behaupten. Erste übernationale Kontakte bildeten sich unter den RaucherInnen, und dann
in den Workshops.
Die Workshops an sich waren meistens eher enttäuschend: In ‚Nuclear Weapons for
Beginners' wurde noch einmal durchgekaut, was in einer an alle Teilnehmer am Anfang
des Camps ausgegebenen Broschüre ohnehin schon stand, während schwierigere
faktische Fragen nicht immer beantwortet werden konnten. Ein Workshop mit dem Titel
‚Nuclear Energy' entpuppte sich als unerfahrener und unbeholfener Versuch, ein
internationales Bündnis gegen einen geplanten Atomreaktor in Finnland zu schmieden.
Drei längere Workshops, alle als direkte Vorbereitung für die Aktion am Samstag
geplant, fanden etwas unglücklich nur einmal und alle zur gleichen Zeit statt. Eine gute
Annahme fanden allerdings zwei Workshops über die Friedensbewegung und die Arbeit
der GAAA gegen Atomwaffen in Deutschland, die Achim Schmitz von der Pressehütte
Mutlangen und Marion Küpker von der GAAA gemeinsam gaben.
Ebenfalls gut und wichtig war das gewaltfreien Training am Freitag, das für alle
Teilnehmer des Camps verbindlich war, die am folgenden Tag bei der Aktion mitmachen
wollten. Erst am Abend des selben Tages wurde für die Aktion Bezugsgruppen gebildet,
welches ich für zu spät halte, da Bezugsgruppen in einer direkten Aktion zivilen
Ungehorsams - selbst in einer solchen, die im Voraus schon ziemlich spezifisch ‚von
oben' geplant wurde - die eigentlichen Grundsteine sind, die während der Aktion für
einen funktionierenden basisdemokratischen Entscheidungsprozeß, sowie für die
Befriedigung des Sicherheitsbedürnisses der einzelnen Aktivisten sorgen. Wenn ich
Gefahr laufe, mit nervösen Soldaten, knüppelnden Polizisten und losgelassenen
Polizeihunden zusammenzustoßen, dann ist es mir ein Anliegen, dass mich mit der
Person, die neben mir steht, mehr als drei oder vier Stunden Bekanntschaft verbinden.
Dieses Problem des späten „Zusammenfindens der Bezugsgruppen" läßt sich wohl am
besten lösen, wenn sich die Gruppen schon im Voraus in ihrer Heimat treffen und sich
gemeinsam vorbereiten. In Belgien machten uns dieses die Schweden vor, und ich hoffe,
dass für die nächste Aktion im Ausland auch innerhalb Deutschlands eine bessere
Zusammenarbeit stattfinden wird.
Anti-Atomwaffencamp 2003!
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass am 22. April 2003 eine große
Blockade an der britischen Militärbasis, gegen die 4 Atom U-Boote (jede mit maximal 48
Atomsprengköpfen bestückt) in Faslane/Schottland, stattfinden wird, der wieder - wie in
Belgien - ein Anti-Atomwaffencamp für junge Menschen vorangehen soll. Wer Lust hat,
kann sich jetzt schon bei mir melden (Timo simkere@hotmail.com), so dass wir idealer
weise schon hier eine Bezugsgruppe für das Camp und die Blockade bilden und vielleicht
auch die Anreise gemeinsam planen können.
Zurück nach Belgien: Das Camp fand seinen frühen Höhepunkt am Samstag in der
Besetzung des Atomwaffenstützpunktes Kl. Brogel, an der auch Friedensaktivisten aus
ganz Belgien teilnahmen. Der Stützpunkt sollte, so der kühne Plan, zunächst besetzt und
dann als Picknickplatz zweckentfremdet (geheiligt!) werden. An die Ausführung dieses
Planes machten sich bei ungemütlichem Nieselwetter 1200 Menschen, von denen es der
Hälfte gelang, sich an den um die Basis schwadronierenden Polizisten vorbei zu pirschen
und auf das Militärgelände zu dringen, wo sie dann (picknickend) in Gewahrsam
genommen wurden. Die andere Hälfte wurde vor der Basis abgefangen, nur um dann von
der Polizei auf dieselbige Basis transportiert zu werden, wo erfolgreiche und gescheiterte
Picknicker wieder zusammengeführt und für mehrere Stunden auf einem Sportplatz
festgehalten wurden.
Aus Sicht aller Teilnehmer war die Aktion in mehrfacher Hinsicht ein großer Erfolg.
Schon die Mobilisierung von mehr als tausend Menschen zum Gesetzesbruch ist eine
tolle Leistung. Sodann konnte am Tag der Besetzung auf dem Militärstützpunkt kein
Flugverkehr stattfinden, er wurde für diesen Tag zumindest teilweise lahmgelegt. Die
belgische Regierung sah sich gezwungen, zum Schutz des Stützpunktes und der darauf
stationierten Atomwaffen, Polizeikräfte und Soldaten aus ganz Belgien anzufordern.
Das Atomwaffencamp fand seinen Abschluß in einem produktiven Tag der „Evaluation
der vorangegangenen Woche" und des Ausblickes und der weiteren Vernetzung für das
kommende Jahr.
Viele junge Menschen verließen Gent und Belgien mit aufgeladenem
Motivationsspeicher für kommende Aktionen und guter Vorsätze, zu hause noch
aktiver zu werden.
Lakenheath
Am 6. Oktober gab es die erste Blockade an dem britischen Militärstützpunkt
Lakenheath, auf dem 33 US Atomspengköpfe stationiert sind und mit F-15 Bombern zum
Kriegseinsatz bereit stehen. Erfreuliche ca. 200 Menschen beteiligten sich. Für April
2003 (Jahrestag des Angriffs auf Libyen) ist eine erneute Aktion geplant. In Lakenheath
unternahmen 4 Menschen zusätzlich zu der Blockade eine Inspektion der Basis. Zwei
von Ihnen ketteten sich mit einem sog. Daumenschloss an, nachdem sie „DON´T
ATTACK IRAQ" auf eine Militärstraße gesprüht hatten.
Weitere Informationen: www.lakenheath.org , Schottland:
www.tridentploughshare.org