
Perspektiven für Widerstand und Alternativen
von Achim Schmitz
Die Perspektivkonferenz "Mit neuer Energie für den Frieden" im Dezember bot uns
wichtige Impulse, um an unseren Visionen weiterzuarbeiten.
Perspektiven für Widerstandsaktionen
Jochen Stay (früher Pressehütte Mutlangen, jetzt "X-tausendmal quer", FreiRaum Nr. 3 berichtete) nannte in seinem Vortrag 10 Gemeinsamkeiten beim Zivilen Ungehorsam in Mutlangen und bei "X-tausendmal quer", Voraussetzungen für die Bereitschaft zu massenhaftem
zivilen Ungehorsam:
1. Die Themen werden von vielen Menschen als Bedrohung empfunden.
2. Viele Menschen haben den Eindruck, daß sich Parteipolitik mächtigen Interessen unterordnet.
3. Aus großen Themen konnten symbolische Teile herausgenommen und darum Konflikte
aufgebaut werden: Pershing II-Raketen für weltweite atomare Aufrüstung, Castor-Transporte für ungelöste Atommüll-Entsorgung und den Betrieb der AKWs.
4. Es ist gelungen, die Konflikte an symbolischen Orten zuzuspitzen - Mutlangen, Gorleben.
5. Die Kampagnen bekommen Energie durch gesellschaftliche Visionen, die über die Kampagnenziele hinausgehen und sich im Innenleben der Kampagne widerspiegelt: basisdemokratische Ansätze, Konsensmodell, Bezugsgruppen und SprecherInnenrat.
6. Der Zivile Ungehorsam wird getragen von AktivistInnen, die sich mit ihrer ganzen Kraft
und Zeit über Jahre dafür einsetzen.
7. Konkrete Formen Zivilen Ungehorsams werden gefunden, bei denen durch begrenzte
Regelverletzung und die Bereitschaft zum Tragen begrenzter Folgen öffentliche Aufmerksamkeit entsteht; viele sind bereit, diesen Schritt zu wagen.
8. Die Aktionen entwickeln sich zu einer Mischung aus Behinderung der Maschinerie und
mit Leben gefülltem Ritual.
9. Die Mobilisierung wird über Selbstverpflichtungserklärungen persönlich und verbindlich
geführt.
10. Die jeweiligen AktivistInnen haben die Möglichkeit, sich gründlich vorzubereiten, damit
der oder die einzelne BlockiererIn sich wirklich aufs Blockieren konzentrieren kann.
Aus diesen Erfahrungen können wir auch für unsere Kampagnen und Aktionen 2003 lernen,
um Erfolge zu erreichen (vgl. Beitrag Blach). Dr. Wolfgang Sternstein von der EUCOMmunity
plädiert nicht nur für tagespolitischen Widerstand gegen Krieg: " Wir brauchen auch langfristige Kampagnen, mit denen wir Ziele setzen." Ein solches Ziel wäre ein atomwaffenfreies
Deutschland als ersten Schritt, also "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen."
Alternativen zur derzeitigen Friedens- und Energiepolitik
Außer dem Widerstand gegen eine verfehlte "Sicherheitsspolitik" sind positive Alternativen
wichtig. Otfried Nassauer vom Berliner Institut für transatlantische Sicherheit griff in seinem
Vortrag unser Tagungsmotto "Mit neuer Energie für den Frieden" positiv auf. Er plant den
Themenbereich "Sicherheit - Energie - Energiesicherheit" in ExpertInnen-Workshops mit
PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen, Industrie- und MedienvertreterInnen. Seine
Kernüberlegungen dazu: Die baldige, gezielte Einführung neuer
Energieerzeugungstechnologien, dezentraler organisierter Energieversorgungssyteme und
eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energie (z.B. Sonne, Wind) zum Abbau der
sicherheitspolitisch bedenklich großen Abhängigkeit von Öl und Gas sowie von sehr
verletzlichen, zentralisierten Infrastrukturen (z.B. AKWs) ist technologisch machbar und
· führt zu größerer Energiesicherheit,
· hat längerfristig positive Auswirkungen auf die Umweltsituation,
· fördert die technologische Innovation und
· ist ein substantieller Beitrag zur Sicherheit, Entwicklung und Konfliktprävention.
Seit 11.9.2001 wird intensiv über neue Gefährdungen für die Energieversorgungssicherheit
wie Terrorismus und Piraterie diskutiert. Sie können sich gegen die
Versorgungseinrichtungen (Großkraftwerke inkl. atomarer Anlagen, Raffinerien, Tanklager)
und gegen Transportstrukturen (Tanker, Pipelines etc.) als kritische Infrastrukturen richten.
Mit der prognostizierten, wachsenden Nachfrage nach fossilen Energieträgern durch die
schnell wachsenden Ökonomien Asiens entsteht eine verstärkte Konkurrenz um fossile
Energien, die nicht nur ökonomische Risiken wie steigende Preise hervorrufen kann,
sondern auch erhebliche sicherheitspolitische Risiken in Form von militärischen Konflikten.
Die Energieversorgungssicherheit wächst mit der Reduzierung der Abhängigkeit von
Rohstoffen aus Krisenregionen, da geringere Rohstoffmengen benötigt werden und von
Transportgefährdungen (z.B. Piraterie/Terrorismus) ein geringer werdendes Risiko ausgeht.
Sie steigt, da eine dezentralisierte Endenergieerzeugung ein geringeres Risiko und weniger
lohnende Ziele für asymmetrische Bedrohungen darstellt.
Auch die Gesellschaft Kultur des Friedens hat diesen Gedanken aufgegriffen "Solar for
peace" ist ihr Motto für Solarprojekte zu nachhaltiger Entwicklung und als Beitrag zu ziviler
Konfliktlösung z.B. im Kosovo und Bosnien und das Motto für eine internationale
Aktionskonferenz am Bodensee im Juni.
Diese Überlegungen können wir in unseren zukünftigen Kampagnen und Aktionen für neue
Energie für den Frieden argumentativ nutzen. Unter diesem Aspekt wird die Notwendigkeit
einer alternativen Energiepolitik nicht nur unter ökologischen, sondern auch
friedenspolitischen Gesichtspunkten deutlich.