
Mit neuer Energie für den Frieden
Wolfgang Schlupp-Hauck
Unsere Perspektivkonferenz in der ehemaligen Bismarck-Kaserne wurde zum Treffen
ehemaliger Mutlanger Blockierer, von Pressehütten Bewohnern und neu an der
Friedensfrage Interessierten. Ein Diskussionsforum zischen Friedensforschern und
Friedensaktivisten. Trotz vieler Erinnerungen ging es dabei vor allem um die aktuellen
Aufrüstungs- und Kriegspläne der USA.
Alexander Nikitin, Direktor des Zentrums für Politische und Internationale Studien, in Moskau
stellte fest, daß die Abrüstungsverhandlungen in einer Krise seien. Ein Höhepunkt wäre vor 15
Jahren mit dem INF-Vertrag gewesen. Der Verschrottung der Atomraketen seien durch Reagan
und Gorbatschow weitere, atomare Abrüstungsschritte gefolgt, die unilaterral -also ohne
Verträge, aber in gegenseitiger Absprache- durchgeführt worden seien. Ziel sei gewesen zu
verhindern, daß die zahl der Atommächte mit der Auflösung der Sowjetunion steigt. Die USA
hätten dann aber unilaterale Schritte beschlossen, die das Abrüstungsregime gefährdeten: der
einseitige Beschluß eine Raketenabwehr aufzubauen und die damit verbundene Kündigung des
ABM-Vertrages.
„Die aktuellen Kriegsspläne der USA sind nicht erst nach dem 11. September entstanden"
erläuterte Otfried Nassauer vom Berliner Institut für transatlantische Sicherheit. Er belegte diese
These in dem er Strategiepapiere von US - Regierungsmitgliedern referierte, welche diese lange
zuvor geschrieben hatten.
Angelika Beer, Sicherheitsexpertin der Grünen, erklärte in der Diskussion, daß Deutschland sich
unter keinen Umständen an einem präventiven Angriffskrieg gegen den Irak beteiligen dürfe.
„Möge ihr Mut langen, dies auch durchzuhalten und nicht wieder umzufallen," war ihr aus den
Zuhöreren skeptisch zugerufen worden. Beer reiste dann zum Parteitag nach Hannover weiter,
auf dem sie zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt wurde und der diese Position
übernahm.
Bruce Gagnon vom Global Network Against Weapons and Nuclear Power in Space, ermutigte
die Konferenzteilnehmer auch dann zu protestieren, wenn es ausweglos erscheint. Er verwies auf
seine eigen Lebensgeschichte. „Ich war Soldat in der US Airforce, mein Gewissen wurde
geweckt durch eine kleine Gruppe, die regelmäßig Mahnwachen vor unserer Kaserne hielten".
Er glaubt die Demonstranten wußten nicht, wieviel über sie unter den Soldaten diskutiert wurde.
Gagnon hat die Air Force verlassen und ist jetzt Koordinator des Global Networks. Er machte
deutlich, welche Konsequenzen der Krieg gegen den Terrosimus für die Freiheit in den USA hat,
machte aber auch Mut, sich diesen Entwicklungen, die es auch in Europa gebe zu widersetzen.
In der Abschlußerklärung wurden solche Gedanken aufgenommen. Dort heißt es:
Wir akzeptieren nicht, dass die Supermacht USA, die das politische Geschehen allein
bestimmt, von ihren Verbündeten kritiklose Gefolgschaft erwartet.
Wir sind solidarisch mit der amerikanischen Friedensbewegung.
Weiterhin akzeptieren wir nicht, dass unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung
Minderheiten unterdrückt, Menschenrechte verletzt und Bürgerrechte eingeschränkt werden.
Gegen diese Entwicklungen leisten wir gemeinsam mit der globalisierungskritischen und der
ökologischen Bewegung gewaltfreien Widerstand u.a. an der Europäischen
Kommandozentrale der US-Armee in Stuttgart, am Fliegerhorst in Büchel
(Atomwaffenstandort) in der Südeifel oder an der Rhein/Main Air-Base in Frankfurt.
Wir rufen alle friedliebenden Menschen auf, mit allen gewaltfreien Mitteln Widerstand zu
leisten gegen Militarisierung, Krieg und Massenvernichtungswaffen.
Blockade am EUCOM
Nach der Tagung fuhren rund 20 Teilnehmer nach Stuttgart ans EUCOM, um dort gegen die
Kriegsvorbereitungen gegen den IRAK zu protestieren. Bei der dabei statt findenden Blockade
wurden 15 Personen vorübergehend festgenommen. Nach dem Ende der Tagung Ende der
Tagung gab es wieder Bilder wie zu alten Zeiten., Der gewaltfreie Widerstand war in Mutlangen
zwar erfolgreich, ist aber noch nicht am Ziel.