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Senioren- und Manöverblockade 1987
Fortsetzung von der vorigen Seite Die Frauen und Männer sprachen von ihren Erlebnissen im Nationalsozialismus und im 2. Weltkrieg und von ihren Erkenntnissen über unsere persönliche Verantwortung für den Frieden im Gegensatz zu dem Gehorsam im Nazi-Deutschland. Davon werden die Soldaten nicht alles vergessen können.

Wie eng diese Erlebnisse der Senioren mit der Pershing II-Übung im Wald zusammenhängen, zeigte auch ein Gespräch mit Major Tale, dem Befehlshaber dieser Einheit. Er machte einen freundlichen, intelligenten und bemühten Eindruck, als er uns bat, die Manöverstellung zu verlassen und dadurch die Soldaten nicht länger bei der Ausübung ihres Auftrages zu stören. Wir erklärten ihm, daß es unsere Absicht sei, diese Übung mit Massenvernichtungswaffen gewaltfrei zu behindern. Er hielt uns die Genehmigung unserer Regierung für dieses Manöver entgegen und meinte, wir würden deshalb unrechtmäßig handeln. Für ihn schien es eine selbstverständliche Logik, daß wir einer Genehmigung der Regierung nicht zuwiderhandeln dürfen, auch wenn wir anderer Meinung wären. Wir diskutierten lebhaft mit ihm über Gehorsamspflicht gegenüber einer Regierung und Verantwortung gegenüber den Menschenrechten und unserem Gewissen, über zivilen Ungehorsam, Gewaltfreiheit und Faschismus.

Schließlich benachrichtigte er doch die deutsche Polizei, die mit mehreren Hundertschaften nach einiger Zeit die noch übriggebliebenen ca. 25 Menschen aus der Pershing-Stellung wegtrug und uns der Nötigung (§ 240 StGB), des Hausfriedensbruchs und des unbefugten Betretens einer militärischen Anlage verdächtigte. Wir haben natürlich die Soldaten dazu genötigt, ihre Pershing-Übung für 4 Stunden zu unterbrechen – aber nicht mit Gewalt und nicht verwerflich, sondern mit Gesprächen, mit Liedern und mit einem Gottesdienst. Wir haben auch einen 'Hausfrieden' gebrochen – einen Scheinfrieden, der zur Vernichtung der Menschheit führen kann.

Albert Einstein sagte: „Die entfesselte Macht des Atoms hat vieles verändert, nur nicht unsere Denkweisen. Auf diese Weise gleiten wir einer Katastrophe ohnegleichen entgegen. Wir brauchen eine wesentlich neue Denkungsart, wenn die Menschheit am Leben bleiben soll.” Dies Denken war an jenem 7. Mai spürbar – im Handeln.
aus dem 10. Rundbrief
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier