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Senioren- und Manöverblockade 1987
Fortsetzung von der vorigen Seite Doch wir gingen genauso ruhig und langsam weiter, sangen und sagten immer wieder zu den Soldaten und Polizisten, da wir friedlich und gewaltfrei sind und da wir das Recht haben, bei solchen bungen in unserem Wald mindestens Zeuge zu sein.

Ich ging etwas auerhalb der Gruppe im Wald und versuchte, mich in die Soldaten und Polizisten hineinzuversetzen. Sie waren gewohnt, da die Drohung mit Autoritten und mit Gewalt Menschen einschchtert, da derjenige siegt, der die strkeren materiellen Waffen hat. Wo sollten sie in der Armee anderes erlebt und gelernt haben? Und jetzt kamen 50 Menschen, ooumeist ltere, grauhaarige und ihnen krperlich unterlegene Menschen, freundlich singend, uerlich vllig wehrlos, und gingen einfach durch ihre Sperre hindurch, ohne Zgern, ganz offen. Die Soldaten standen hilflos und verunsichert da, die Gewehre im Arm, einander "ragend anschauend und ab und zu noch mal ein wirkungsloses „Stop!!” rufend.

Fr mich war in diesem Moment das lebendig und wirksam, was wir die Macht der Gewaltfreiheit nennen. Es ist eine ganz andere Macht als die, die die Soldaten kennen.

Wir sahen nun neben verschiedenen Fahrzeugen 3 Pershing II unter Tarnnetzen auf den Transportern liegen. Im Hintergrund hrten wir einen Generator. Wir stellten unsere Plakate zwischen diese Massenvernichtungswaffen: 'Kriegsgeneration gegen Kriegsrstung', 'Pershing macht frei'. Aus sten stellten wir ein Holzkreuz in die Mitte und bereiteten einen Gottesdienst vor – einen Gottesdienst inmitten von 3 Pershings, umringt von amerikanischen Soldaten.

Wir sangen vor allem englische Lieder, jemand spielte eine Bachkantate auf einem Flgelhorn, wir bersetzten die Seligpreisungen und das Vaterunser, wobei ein Soldat seinen Helm abnahm. Bei den Frbitten faten viele Senioren den Mut, im lange nicht mehr gesprochenen Englisch ihre Sehnsucht nach Frieden und Vertrauen auszudrcken. Zum Abschlu teilten wir eine Packung Kekse und boten sie den Soldaten und Soldatinnen an, die sie aber nicht nehmen wollten (oder durften). Inzwischen war der Wald abgeriegelt; einzelne nachkommende Friedensfreunde und -freundinnen und Presse kamen nicht mehr zu uns durch. Wir, d.h. vor allem die ltere Generation, sprachen mit den Soldaten und Soldatinnen, bzw. zu ihnen, denn nur ganz vereinzelt wagten diese es, das Redeverbot zu brechen.
aus dem 10. Rundbrief
Senioren-Blockade  Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM
Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM
Senioren stören  Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM
Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM