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Senioren- und Manöverblockade 1987
Die 2. Seniorenblockade wäre beinahe ein Reinfall geworden. Wir hatten die Aktion diesmal auf 10 Tage vom 2.-10. Mai angesetzt und hofften, daß noch wesentlich mehr Leute als 1986 kommen würden. Vielleicht war es die Dauer der Aktion, vielleicht auch die Erschöpfung durch den vorangegangenen Blockade-Herbst – jedenfalls stellte sich unsere Hoffnung als Illusion heraus; 1987 waren wir selten mehr als 50 Menschen an einem Tag, was zu Enttäuschung und Verunsicherung der Beteiligten führte.

Aber dann wurde klar, daß ein großes Pershing ll-Manöver bevorstand. Wir blockierten vom 2.-5. Mai die Manövervorbereitungen in Mutlangen und vor den Schwäbisch Gmünder Kasernen. In den frühen Morgenstunden des 6. Mai fuhren alle 36 Pershing II-Raketen in die umliegenden Wälder, 3 Hundertschaften Polizei sicherten die Ausfahrt vor drei in der Pressehütte sitzenden Beobachterinnen. Im 15 km entfernten Reippersberg wurde ein Konvoi mit 15 Raketen eine Stunde lang blockiert. Die nächsten Tage machten wir außer Blockaden am Pershing-Lager tägliche 'Stellungsbesuche' (siehe den Bericht von Jutta v. Ochsenstein auf der nächsten Seite).

Das Eingreifen in ein großes Pershing ll-Manöver bedeutete für uns einen weiteren Sprung nach vorn – und versöhnte uns darüber hinaus mit der 'Pressehütte', mit den (meist noch jüngeren) Menschen, die seit Stationierungsbeginn vor Ort in Mutlangen lebten, alle Pershing-Bewegungen verfolgten und dokumentierten und unendlich Polizeischikanen durchmachten.

Das Verhältnis zwischen Pressehütte und Kampagne war meist recht getrübt gewesen: Die Pressehütte sah in uns bürgerliche Freizeit- und Wochenend-BlockiererInnen, denen der Mut fehlte, riskantere Aktionen als 'ritualisierte' Blockaden vor dem Tor durchzuführen. Wir sahen – nach anfänglicher Bewunderung – in dem hektischen, kaum strukturierten Widerstand der Pressehütte zu viele pubertäre Züge und zu wenige Ansätze für eine gewaltfreie Gesellschaft. Dennoch waren beide Gruppen aufeinander angewiesen: Für uns war wichtig, daß die Pressehütte ein Ort war, wo man sich treffen, absprechen, informieren konnte. Und für die Pressehütte war wichtig, daß wir immer wieder neue Leute nach Mutlangen brachten, die sich dann ein eigenes Bild von der Situation machen konnten.
Rüstung tötet · Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier


Glücklicherweise verliefen die 'Fronten' auch nicht so eindeutig: Hinrich Olsen und Rüdiger Müller lebten in der Pressehütte und arbeiteten dort für die Kampagne. Die Senioren- und Manöver-Blockade 1987 bildete den Höhepunkt unserer Zusammenarbeit: Ohne die Pressehütte hätten wir wohl nie die im Wald versteckten Raketen gefunden; andererseits überzeugte die Entschlossenheit der Seniorinnen manche aus der Pressehütte, daß man durchaus älter und sogar 'anständig' berufstätig sein und dennoch konsequenten Widerstand leisten kann.

Jutta v. Ochsenstein von der Kampagne und Jochen Stay von der Pressehütte stellten eine Dokumentation der 2. Senioren- und Manöverblockade zusammen, von der wir noch einige Exemplare haben.