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Die Senioren-Blockade 1986
Luise Olsen, Fritz-Reuter-Str. 2, 2900 Oldenburg, den 13.5.86

DIE MEDIEN SCHWEIGEN – WIR NICHT!

Am 6.8.85, am Hiroshima-Tag, entstand der Gedanke, bundesweit aufzurufen zu einer 'Seniorenblockade' vom 8. - 10. Mai 1986.

Die Resonanz bertraf alle Erwartungen: 500 bis 600 Menschen, die groenteils den 2. Weltkrieg erlebt haben, Kriegsopfer, Witwen und Waisen, dazu viele junge Menschen kamen aus dem gesamten Bundesgebiet vor dem US-Raketenlager in Mutlangen zusammen, um ihren Widerstand gegen Rstung und Kernenergie zu demonstrieren, um Gottesdienste miteinander zu feiern, um zu diskutieren, sich gegenseitig zu ermutigen, Adressen auszutauschen, das Friedensnetz zu knpfen und um den Militrbetrieb durch anhaltende Blockaden 3 Tage lang empfindlich zu stren.

Nach den ersten Festnahmen noch am Morgen des Himmelfahrtstages spitzte sich die Lage dramatisch zu, als am 9. 5. fnf Pershing II-Raketen, die wenige Tage vorher aus dem Lager entfernt worden waren, in das Depot zurckkehrten. Entsetzen, Wut, Verzweiflung malte sich auf den Gesichtern der Menschen, als die Raketen ungehindert in das Depot einfahren konnten, nachdem ein massives Aufgebot von Polizei die Blockierer gewaltsam zur Seite gedrngt hatte. Insgesamt wurden bei den Blockaden vom 8. - 10. Mai etwa 76 Menschen festgenommen. Am 11. Mai schlo sich eine 'Muttertagsblockade' an: sie begann mit einer blumengeschmckten Kaffeetafel vor dem Haupttor, mit Liedern und Gedichten, mit einem Schweigekreis fr die Kinder von Tschernobyl und in aller Welt, und hier wurde ein Telegramm an Frau Marianne v. Weizscker und den Herrn Bundesprsidenten aufgesetzt: "Wir sitzen auf russisch verseuchter Erde vor amerikanischen Atomraketen und fordern fr unsere Kinder und Enkel weltweite Entgiftung statt Rstung. Muttertags-Blockade Mutlangen"

Bei der sich anschlieenden Blockade der beiden Zufahrtswege kam es zu keiner Festnahme - wie berhaupt in diesen Tagen die Festnahmen willkrlich erfolgten -, wohl aber zu Gesprchen mit Mutlanger Brgern und mit den Polizisten, die die Blockierer zur Seite rumten. Die Wirkung von Tschernobyl und der ungewohnten Konfrontation mit lteren, friedlichen und freundlichen Menschen war unverkennbar.
Foto:
Erika Sulzer-
Kleinemeier

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Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
An Fantasie und Lebenshoffnung hatte es in diesen Tagen nicht gefehlt: Alte, Junge und Kinder, Gebrechliche, Versehrte und Gesunde tanzten auf der Zufahrtsstrae zum Todeslager zu mitreiender Musik, Kirchen- und Friedenslieder wurden gesungen und geblasen, und, angeregt durch die 'Wortwerkstatt' von Asghar und Birgit Berg-Khoshnavaz, Durlesbach, Bad Waldsee, suchten Brger in Gesprchsgruppen positive Anstze und Auswege aus der drohenden Gefahr.

Heute kam aus Mutlangen die Nachricht, da wieder 2 Raketen zu bungen aus dem Depot gefahren sind. Wir drfen nicht nachlassen in unserem Widerstand!

Das Friedensbro Tbingen, Neckarhalde 8, 7400 Tbingen, Tel. 07071 / 24807, gibt Auskunft ber die geplanten gewaltfreien Blockaden dieses Jahres und

WIR RUFEN SCHON HEUTE AUF ZUR 2. BUNDESWEITEN SENIOREN- UND MUTTERTAGS-BLOCKADE IM MAI 1987!
Mit hoffnungsvollen Gren   Luise Olsen