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Die Senioren-Blockade 1986
Fortsetzung von der vorigen Seite War es noch ein Meter oder nur noch ein halber? Da lief Preluft durch das Gestnge, die Bremsen griffen, und der tarnfarbene Bug vor ihr wippte und hielt an. Die Soldaten stieen die Tren auf, lehnten sich heraus und fluchten. Hinter ihnen stoppten die brigen, die Motoren liefen noch eine Weile im Leerlauf, bis ein Fahrer nach dem anderen seine Maschine abstellte und die Luft von der Erschtterung nachbebte, dann wurde es still. Freia atmete aus, und als sie wieder einatmete, tat sie es mit allen anderen, es war wie ein einziger Atemzug.

Eine Zeitlang geschah nichts. Bis die Polizei erschien, saen die Alten wie in einem toten Winkel, die Pause zerstreute sie auf merkwrdige Weise. Sie konnten sich nicht von der Strecke rhren. Jede halbe Stunde, die sie das Manver aufhielten, war ihnen wichtig. Und doch mute Freia denken, es wre alles geschehen. Ihre Glieder schmerzten auf einmal. Und sie schlo sich fast tonlos dem ruhigen Gesang der anderen an. Erst als sie den Kanon anstimmten, den sie so liebte, fiel sie mit voller Stimme ein: „Schalom chaverim, schalom chaverim, schalom .... lehitraot, lehitraot, schalom ... Wir bringen Frieden fr alle, wir bringen Frieden fr jeden Tag.” Ihr Herz schlug bis zum Hals ...
Foto: privat
Foto: privat
Auszug mit freundlicher Genehmigung aus Dieter Lattmann:
„Die verwerfliche Alte – Eine Geschichte aus unserer Zeit”
Radius-Verlag Stuttgart 1990