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Die Senioren-Blockade 1986
Andreas Foitzik:
An die Teilnehmer und Teilnehmerinnen
der Seniorenblockade '86

Rottenburg, den 5.5.1986

Ich kenne nur sehr wenige von Euch, und doch fühle ich mich in diesen Tagen Euch sehr nahe, werde ich am Donnerstag und an den darauffolgenden Tagen sehr oft an Euch denken, wäre ich in diesen Tagen sehr gerne bei Euch in Mutlangen, wenn Ihr Sand seid im Getriebe dieser wahnsinnigen Todesmaschine und nicht mehr Öl, wie in all den Tagen, an denen wir nichts getan haben, nichts tun konnten, so gelähmt, wie wir waren: wie ein Kaninchen in Todesstarre vor der Schlange.

Meine Gedanken und Gefühle können wohl bei Euch sein, doch nicht mein Körper. Er und mit ihm so viel von mir sind hier eingesperrt in der Justizvollzugsanstalt von Rottenburg, nur fünf Kilometer entfernt von Hirschau, dem Dorf, in dem ich wohne, und doch so weit entfernt von all den Menschen, mit denen ich lebe, mit denen ich kämpfe, die ich liebe.

Genau mit diesem Körper, den sie hier jetzt in viel zu enge Gitter und Mauern pressen, habe ich vor genau zwei Jahren und fünf Tagen das Gleiche getan, was Ihr jetzt tut. Ich habe mich mit ihm in den Weg gesetzt, in den Weg, der zu dem 'Selbstmordtor' führt, um mich gegen den viel zu frühen Tod aufzulehnen. Gibt es etwas menschlicheres?

Ich bin gerade 21 Jahre jung, habe noch beide Lungen prall, habe noch so viel zu tun, zu erledigen. Es gibt noch viel zu viel, was uns unseren Widerstand abnötigt. Viel zu dicke Mauern auch außerhalb dieser menschenverachtenden Institution Gefängnis. Da gibt es noch viel einzureißen. Und ich möchte leben, tanzen, schrein, lieben....
Kriegsopfer gegen Kriegsrüstung · Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM
Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM