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Die Senioren-Blockade 1986
AUFRUF ZUR SENIORENBLOCKADE
Luise Olsen
Fritz-Reuter-Str. 2 · 2900 Oldenburg
0441/506459
Liebe Friedensfreunde der älteren Generation!
Bitte, verzeihen Sie mir diese allgemeine Anrede. Ich wende mich mit diesem Brief ausdrücklich an Menschen meiner Generation, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben und die heute in der wcileren Aufrüstung keine Sicherheit, sondern vielmehr eine unermeßlich große Gefahr sehen.

SIND WIR OHNMÄCHTIG GEGENÜBER DEN REGIERUNGEN UND MILITÄRBLÖCKEN??
WAS KÖNNEN WIR TUN? WAS KÖNNEN ZUMAL WIR ÄLTEREN TUN?

Etwas haben wir, was jüngere, in Familien und Berufspflichtcn eingebundene Menschen nicht haben: Z E I T !
Zeit, sich gründlich zu informieren, um politisches Klischeedenken zu überwinden, Zeit zu Gesprächen und Diskussionen, Zeit auch dafür, unsere Einstellung zu Gewalt und Gewalttrciheit deutlich zu machen, zu "demonstrieren".
Und damit bin ich beim Thema:
Gewalt freier Widerstand gegen Massenvernichlungsmittel.

An den "Tagen des Zivilen Ungehorsams" vom 6.-11. August 1985 in Mutlangen, die von der KAMPAGNE ZIVILER UNGEHORSAM BIS ZUR ABRÜSTUNG unter der Losung "Hiroshima mahnt - Euroshima droht" durchgerührt wurden, entstand aus dem Kreis der älteren Menschen der Gedanke einer bundesweit vorbereiteten

SENIOREN-BLOCKADE

vor dem Pershing-II-Depot in Mutlangen.
Seitdem läßt mich dieser Gedanke nicht mehr los, und ich wünsche mir, daß sich viele ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen von ihm anstecken lassen!
Als Termin schlagen wir die Tage vom Donnerstag, den 8. Mai (Himmelfahrt und 41. Jahreslag des Kriegsendes) bis zum Samstag, den 10. Mai 1986 vor.
Zu Mutlangen möchte ich noch Folgendes sagen:
Seit der Stationierung der Pershing 11 im November 1983 in Mutlangen führt eine kleine Schar junger Leute in der "Pressehütte" mit Mahnwachcn am NATO-Zaun, mit gewaltfreien Blockaden vor amerikanischen Militärfahrzeugen, mit Flugblättern und Dokumentationen einen verzweifelten und oft aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die Massenvernichtungsmittel – und gegen die Gleichgültigkeit eines großen Teils der Bundsbürger!
Mutlangen wurde inzwischen zu einem Symbol des gewalttreien und beharrlichen Widerstandes der Friedensbewegung (ich erinnere an die "Prominenten-Blockade" 1983, an der auch Heinrich Böll teilnahm, ich erinnere an die über 1000 Strafverfahren wegen angeblich "verwerflicher Nötigung mit Gewalt", darunter die Tübinger Professoren Jens und Greinacher, und viele andere).
Aber dieser Widerstand wird immer noch vorwiegend von jungen Menschen geleistet und ist deshalb in der Öffentlichkeit immer dem Vorwurf utopischer Wirklichkeitsferne ausgesetzt.

WIR ÄLTERE SOLLTEN SIE NICHT ALLEINE LASSEN!
Senioren-Blockade · Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM