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Arbeitsform Offener Brief
Fortsetzung von der vorigen SeiteWettrüstens der beiden Militärblöcke in den letzten Jahren und Jahrzehnten hat gezeigt, daß Frieden und Sicherheit nicht dadurch vermehrt werden, daß jede Seite fieberhaft immer noch perfektere Waffen und Strategien zur Bedrohung und möglichen Vernichtung der anderen Seite entwickelt. Gerade auch unter Militärs verbreitet sich zunehmend die Einsicht, daß eine rationale Verteidigungsstrategie darauf verzichten muß, den "Gegner" (in Wirklichkeit sind es Millionen unschuldiger Menschen) auch nur potentiell zu bedrohen. Die Diskussion, ob sich unser Leben und unsere Freiheiten mit einer militärischen, rein defensiven Verteidigungskonzeption oder mit einer unmilitärischen, sog. sozialen Verteidigung besser sichern lassen, hat noch kaum begonnen. Unsere regelmäßigen Blockaden sollen helfen, diese Diskussion voranzutreiben, indem wir nicht nur alternative Verteidigungskonzepte fordern, sondern eines von ihnen, nämlich die soziale Verteidigung, gleichzeitig ansatzweise praktizieren. Mit unseren Blockaden verteidigen wir uns gegen die Pershing-II-Raketen und die von ihnen ausgehende Bedrohung unseres Landes, unseres Lebens, des Weltfriedens. Jede unserer Blockaden ist ein kleiner persönlicher Abrüstungsschritt. Sie geschieht in der Hoffnung, daß immer mehr Menschen einen solchen Abrüstungsschritt verwirklichen. Unser faktischer und politischer Druck muß so groß werden, daß es für Polizei, Militär, Justiz und schließlich auch für Sie und Ihre Regierung unmöglich wird, sich einer wirklichen Auseinandersetzung mit unseren Argumenten zu entziehen und die Stationierung aufrechtzuerhalten. In diesem Sinn wird die Forderung an Sie, die Stationierung zurückzunehmen, zu einem – zugegeben begrenzten – Testfall für die Effektivität der sozialen Verteidigung.
Unsere gewaltfreien Blockaden erschöpfen sich keineswegs in destruktiven Störungen des Militärbetriebs, sondern sie stellen einen konstruktiven Beitrag dar zu einer vernünftigeren, weniger bedrohlichen, menschlicheren Lebens- und Gesellschaftsform. Die Teilnahme an diesen Blockaden verpflichtet uns, zukunftermöglichende Schritte in allen gesellschaftlichen Bereichen zu unterstützen und voranzutreiben.
Diese Blockaden haben weitreichende persönliche Konsequenzen für jeden von uns: Sie bedeuten eine große berufliche, soziale, familiäre und finanzielle Belastung, wir gehen ein Risiko ein bezüglich unserer körperlichen Unversehrtheit, manche von uns werden dafür ins Gefängnis gehen müssen.

Wir appellieren mit diesen Blockaden an Sie, auf die Friedensbewegung zuzugehen, unsere Gesprächsbereitschaft anzunehmen, das Gespräch mit uns zu suchen.
Dieser Brief sowie unsere regelmäßigen Blockaden sollen diese Gespräche vorbereiten helfen, indem sie Ihnen zeigen, wie ernst es uns ist.
Wir sind entschlossen, diese Blockaden so lange fortzusetzen, bis wir von Ihrer ernsthaften Gesprächsbereitschaft überzeugt sein können, bzw. bis Sie unsere Abrüstungsschritte unterstützen oder überflüssig machen.

Wir fordern Sie gleichzeitig auf, eine Amnestie für alle kriminalisierten Mitglieder der Friedensbewegung zu erlassen. Mit unseren Blockaden stehen wir zwar im Gegensatz zur herrschenden Auslegung der Gesetze (vor allem des §240 StGB) durch die Mehrzahl der Richter, nicht jedoch im Gegensatz zum Grundgesetz und zu einer vernünftigen Auslegung des Begriffs der Nötigung.

Wir fordern alle Mitglieder der Friedensbewegung auf, gegen die Stationierung mit allen gewaltfreien Mitteln Widerstand zu leisten, unsere regelmäßigen Blockaden zu unterstützen und, wenn irgend möglich, sich an ihnen zu beteiligen.
Wir fordern Sie, Herr Dr. Kohl, auf, unser Anliegen so ernst zu nehmen wie wir es ernst zu nehmen gezwungen sind, und uns dementsprechend zu antworten.