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Handbuch für den Blockade-Herbst
Fortsetzung von der vorigen Seite Wie wird blockiert?

Wenn wir unsere Blockade-Aktionen gewaltfrei nennen, so verbinden wir damit nicht nur den Entschluß, jede Gewalt (von unserer Seite) auszuschließen, sondern auch die Absicht, Gewaltfreiheit anzuwenden. D. h. wir wollen dem Militärapparat außer passivem Widerstand auch eine aktive Kraft entgegensetzen.

Je übersichtlicher und klarer unsere Aktionen durchgeführt werden, desto deutlicher kann diese Kraft zur Wirkung kommen. Wir empfehlen, daß sich, spätestens wenn ein Fahrzeug auftaucht, die BlockiererInnen deutlich sichtbar auf die Straße setzen, und daß die UnterstützerInnen und ZuschauerInnen möglichst am Rand stehen und den Blick auf die Sitzenden freihalten.

Es ist immer wieder vorgekommen, daß Autofahrer nicht deutlich genug sehen konnten, daß da Leute vor ihnen auf der Straße saßen, sondern einfach von der Annahme ausgingen, daß die Leute schon auseinandergehen würden. Dadurch sind schon sehr gefährliche Situationen entstanden.

Aus dem gleichen Grund empfehlen wir, nicht im Stehen zu blockieren. Die Schwelle, weiterzufahren, ist bei einer Stehblockade deutlich niedriger, als wenn die Leute klar und eindeutig quer oder im (Halb-)Kreis über die Straße sitzen.

Wir möchten auch vorschlagen, daß wir nicht den Versuch unternehmen, 'stärker' zu erscheinen als wir tatsächlich sind.

Eine Gruppe von 5 oder 6 Personen, die quer über die Straße sitzt und von 20 bis 100 Menschen mit Liedern, Transparenten und ähnlichem unterstützt wird, kann sehr viel mehr in unserem Sinne bewirken als ein 'Haufen', der nach jeder Räumungsaufforderung der Polizei weiter abbröckelt.
Zu unserem Verständnis des gewaltfreien zivilen Ungehorsams gehört das bewußte Auf-sich-Nehmen der möglichen staatlichen Bestrafung. Wir möchten deshalb allen Gruppen, die am Blockade-Herbst teilnehmen, ans Herz legen, nur dann Fahrzeuge zu blockieren, wenn sie auch bereit sind, einen Polizeieinsatz, die vorläufige Festnahme und die Anzeige wegen angeblicher Nötigung in Kauf zu nehmen.

Es gibt immer wieder Gruppen, die sich eine größere 'Effektivität' davon versprechen, wenn sie blockieren und vor der dritten polizeilichen Räumungsaufforderung aufstehen, um dann das nächste Fahrzeug wieder zu blockieren.

Wir möchten von dieser Taktik abraten, und zwar aus verschiedenen Gründen: Zum einen ist es eher ein Zeichen von bürgerlichem Gehorsam als von zivilem Ungehorsam, wenn man einer polizeilichen Aufforderung genau dann Folge leistet, wenn's ernst wird. Zum zweiten wollen wir ja die gewaltfreie Konfrontation mit dem staatlichen Unrecht der Aufrüstung bewußt eingehen, wir wollen lernen, nicht zu weichen, eher Unrecht an uns zu dulden, als das Unrecht der Aufrüstung hinzunehmen. Und genau dadurch wollen wir auch unsere Mitmenschen in ihrem Gewissen ansprechen und vor die Entscheidung stellen

– den Soldaten, ob er umkehren soll,
– den Polizisten, ob er räumen soll,
– den Richter, ob er verurteilen soll,
– die Friedensbewegten, ob sie sich dem Widerstand anschließen,
– die Regierenden, ob sie an ihrem Unrecht festhalten wollen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, daß wir diese Auseinandersetzung viel eher in Bewegung bringen können, wenn wir sitzenbleiben, die Strafe auf uns nehmen, usw. und wenn wir möglichst wenig Gelegenheit geben, an unserer Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit zu zweifeln. Durch das Sitzenbleiben auch nach der dritten Aufforderung wird klar, daß es für uns keine taktische Frage, sondern eine Gewissensfrage ist, uns dem militärischen Betrieb in den Weg zu setzen.

Um unübersichtliche Situationen und damit möglichst auch unüberlegte Reaktionen auf beiden Seiten möglichst zu vermeiden, bemühen wir uns grundsätzlich, mit möglichst viel Ruhe und Gelassenheit zu handeln.