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Handbuch für den Blockade-Herbst
Fortsetzung von der vorigen Seite Es handelt sich dabei meistens um eine sog. verkürzte erkennungsdienstliche Behandlung. Manchmal glaubt die Polizei auch, neben der (in ihrem Sinn berechtigten) Personalienfeststellung noch eine richtige erkennungsdienstliche Behandlung durchführen zu 'müssen'. Im ersten Winter war dies die Regel; nach einer Intervention der Datenschutzbeauftragten wird diese ED-Behandlung höchstens noch bei MehrfachblockiererInnen durchgeführt. Dazu gehören dann Verbrecherfotos aus drei Richtungen, Fingerabdrücke und eine ausführliche Beschreibung von Gestalt, Nasenform, Sprechweise etc. Sowohl gegen die 'richtige', als auch gegen die verkürzte ED-Behandlung Widerspruch zu Protokoll geben! Das nützt zwar nicht viel, aber trotzdem.

Zum Schluß erhält man im allgemeinen die Möglichkeit, eine Aussage zum 'Festnahmevorwurf' zu machen. Auch hier ist niemand verpflichtet, irgendwas zu sagen! Wir empfehlen gerne, auf jeden Fall mal das Kampagnen-Flugblatt als Aussage 'zu den Akten' zu geben. Wem das nichts ausmacht, kann es ja nochmal auf der Solidaritäts- oder der Selbstverpflichtungsspalte unterschreiben. Man kann auch jede Art von vorbereiteten Erklärungen zu den Akten geben. Wer sich der Sache sicher ist, kann auch dem Kripobeamten eine Aussage zur Sache in die Schreibmaschine diktieren. Aber oft weigern sich die Leute, länger als eine oder zwei Seiten lang unsere Motive mitzuschreiben.

Manchmal versucht der Kripobeamte auch sowas wie ein Verhör und faßt dann selber die Antworten zusammen. Sowas führt eigentlich immer zu Verdrehungen und sollte dann auf gar keinen Fall unterschrieben werden. Überhaupt braucht absolut nichts unterschrieben werden, weder die sogenannte Belehrung, noch irgendwelche Aussagen, noch irgendwas. Es sollen an anderen Orten schon die tollsten Sachen vorgekommen sein ...

Aber in unseren Fällen ist es ziemlich egal – in juristischer Hinsicht – was man aussagt oder unterschreibt; das Strafmaß steht sowieso fest, und RädelsführerInnen sind wir doch hoffentlich alle. Wenn kein großer Streit entsteht, dann dauert die ganze Prozedur bei der Kriminalpolizei zwischen 30 und 60 Minuten. Anschließend wird man in aller Regel laufen gelassen.
In der Vergangenheit hat es sich als sehr fruchtbar herausgestellt, wenn Blockadegruppen direkt nach der Entlassung eine 'Runde' machen, in der jede/r kurz berichtet, wie er/sie sich bei der Aktion und bei der Polizei gefühlt hat. Wartet ruhig mal eine halbe Stunde mit der nächsten Blockade und dafür auf die zuletzt Freigelassenen aus Eurer Gruppe. Meistens haben die letzten am meisten zu berichten.

Soweit der Ablauf, wenn die Polizei sich bemüht, nach ihren eigenen Grundsätzen korrekt vorzugehen.

Polizeitricks

Keine Blockadegruppe sollte sich jedoch darauf verlassen, daß alles genauso abläuft. Im Gegenteil, während des Blockade-Herbstes wird sich die Polizei aller Voraussicht nach irgendetwas einfallen lassen, schon um uns durcheinanderzubringen.

Vor allem sollten wir uns darauf einstellen, immer wieder geräumt zu werden, ohne daß eine Festnahme erfolgt, wobei häufig in der Vergangenheit festzustellen war, daß die Räumungen – gerade wenn sie 'folgenlos' bleiben – leicht immer brutaler werden.

Außerdem könnte sich die Ortspolizeibehörde sowas wie ein Versammlungsverbot für die Zeit des Blockade-Herbstes einfallen lassen, sodaß wir sofort von der Polizei geräumt und festgenommen werden können, schon bevor ein Fahrzeug zum Blockieren kommt.

In Schwäbisch Gmünd ist es auch schon vorgekommen, daß die Polizei eine Anordnung erläßt, 'eine Fahrgasse freizuhalten', und wer trotzdem blockierte, wurde geräumt, einige Stunden lang festgehalten und bekam schließlich ein Bußgeld (statt einem Strafbefehl).

Vielleicht sperrt die Polizei auch die Straße so ab, daß wir nicht vor den Toren blockieren können. Dann würde sich voraussichtlich eine Blockade vor der Polizeiabsperrung empfehlen, notfalls auch im Wohngebiet von Mutlangen oder sogar auf der Hauptstraße. Bei der sog. Prominentenblockade 1.-3. September 1983 hatten die Amerikaner das Militärdepot mit Mann und Maus leergeräumt, sodaß die BlockiererInnen vor einem leeren Lager saßen.