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Fortsetzung von der vorigen Seite Es gibt auch ein paar mutige Richter in Deutschland (die Liste erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit): Dr. Hils am Amtsgericht Sigmaringen verurteilte zunächst zwei der gewaltfreien BesetzerInnen der Pershing lA-Abschußstellung Inneringen, machte dann einen Lernprozeß durch und sprach die übrigen wegen „Wahrnehmung berechtigter Interessen” frei. Richter Dr. Jahr am Amtsgericht Frankfurt/Main führte eine umfassende Beweisaufnahme zu den Pershing-Raketen durch und sprach dann die BlockiererInnen der Raketen-lnstandsetzungs-Einrichtung in Frankfurt-Hausen mit der Begründung frei, die Pershing II seien völkerrechtswidrig, weil nur zu „unverhältnismäßiger Vergeltung” geeignet. Die Richter Wolf, Pauli und Braun am Amtsgericht Stuttgart weigerten sich standhaft, die gewaltfreien EUCOM-Blockaden in Stuttgart-Vaihingen verwerflich zu nennen, ebenso Richter Dr. Worm am Landgericht Memmingen (Kettershausen) und Richter von Tschoppe am Landgericht Bad Kreuznach (Hasselbach/Hunsrück). Richterin Schmidt am Amtsgericht Überlingen erklärte in ihrem Urteil, wenn sie nicht schon wegen der fehlenden Gewalt und der ganz offensichtlich fehlenden Verwerflichkeit freigesprochen hätte, hätte sie die Rechtmäßigkeit der Raketenstationierung geprüft. Auch Richter Doukoff vom Amtsgericht München blieb bei seiner Überzeugung, Sitzen sei keine Gewalt, Verwerflichkeit sei ebenfalls nicht gegeben.

Und 20 RichterInnen führten am 12. Januar 1987 in Mutlangen selber eine gewaltfreie Blockade bis zur Festnahme durch (vgl. S. 154).

Wir dokumentieren einen Bericht von Spiegel-Korrespondent Thomas Darnstädt über die Massenverurteilungen von Mutlangen, Heinz-Günter Lambertz' Verteidigungsrede vor dem Amtsgericht Schwäbisch Gmünd, einen kurzen Bericht von Holger Jänicke über seinen 3. Prozeß bei Richter Dr. Offenloch, unsere Presse-Erklärung über die Verurteilung von Hannes Fischer aus München, und unseren 'Strafvereitelungs-Button', der für Leute entwickelt wurde, die pfändbar waren und deshalb nicht ins Gefängnis 'durften', oder die aus persönlichen Gründen nicht ins Gefängnis gehen wollten. Durch den Verkauf dieses Ansteckers (siehe S. 186) konnten sie die Geldstrafe in Öffentlichkeitsarbeit umwandeln.

Ein Versuch, mit der juristische Auseinandersetzung nicht nur zu arbeiten, sondern sie offensiv auf möglichst alle Gerichtsbezirke auszudehnen, war die Kampagne 'Öffentliche Aufforderung zur gewaltfreien Blockade', die von Rechtsanwalt Frank Niepel aus München initiiert wurde (siehe S. 187).