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Vorwort

Dorothee Sölle nannte die Pershing II „fliegende Verbrennungsöfen”. Damit hatte sie sich in unserer demokratischen Gesellschaft natürlich endgültig disqualifiziert. Obwohl dieses Wort gnädig verharmlost, so unerträglich es ist. Für niemanden mehr nachzuvollziehen und trotzdem eine Beschönigung. Absolut geschmacklos. Nur ansatzweise wahr.

Nach Auschwitz sagten viele: „Das haben wir nicht gewußt.” Nach einem Pershing-Einsatz hätte das niemand mehr sagen können.

Dieses Buch soll die Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung darstellen, eine Graswurzelbewegung gegen die Pershing II. Die Geschichte geht gut aus, die Pershing II sind heute Geschichte. Trotzdem eine Geschichte ohne „Happy End”. Der Schreck sitzt zu tief, als daß er ein „Ende” haben könnte.

Unsere Gesellschaft hat die Stationierung der Pershing II hingenommen. Alle haben versagt, die demokratischen Institutionen, die Kirchen, die Gewerkschaften, die Medien; die Parteien sowieso, und am augenfälligsten die Justiz.

Wir haben gekämpft, manchmal. Manchmal konsequent. Für Frieden und Abrüstung. Gegen Verdrängung und Atomtod. Gewaltfrei. Für die Wahrheit. Ich kann's nicht mehr hören.

Oft denke ich: wir haben einfach Glück gehabt. Dieser Gedanke macht mir mein Leben leichter. Er ist eine Lüge. Er negiert meine Mitverantwortung an der Abrüstung der Pershing II.

Gorbatschow-Berater betonen, daß es ohne die westlichen Friedensbewegungen für die Führungskader der KPdSU undenkbar gewesen wäre, einen Abrüstungsbefürworter zum Generalsekretär zu wählen.

Eine Reihe von Befreiungsbewegungen in West und Ost, im Norden und Süden schafften Ende der 8Oer-Jahre den Durchbruch, und wir waren dabei, wir leisteten einen sichtbaren Beitrag zur Rettung der Welt. Diese Erfahrung brauchen wir uns nicht von den George Bushs und Saddam Husseins abkaufen lassen.

Inzwischen haben die alten Mächte die Welt wieder voll im Würgegriff. Protest gibt es fast nur von rechtsaußen: dumm, feige und mörderisch. Und sehr wirksam.

Wir hatten hier in Mutlangen einen Ansatz entwickelt, wie wir uns gegen die stärkste Militärmacht aller Zeiten mit den Mitteln der Gewaltfreiheit und dennoch – bzw. gerade deshalb – effektiv zur Wehr setzen können. Wir haben unser Ziel erreicht. Ansonsten sind wir gescheitert. Nur mit Mühe können wir uns daran erinnern, daß wir mal so Sachen wie Soziale Verteidigung bei uns einführen wollten, gewaltfrei und von unten.

Deshalb dieses Buch

Mutlangen, im August 1993