Pressehütte Mutlangen
Startseite
Über uns
Blockade in Büchel
Aktuelles von der NPT RevCon
Friedens- und Begegnungsstätte
Friedenswerkstatt
Mitmachen
Magazin FreiRaum
Kalender
Material
Archiv
Kontakt
Links
Konzertblockade
Raketen, Werkzeuge sinnlosen Tötens, sind an vielen Orten unseres Landes aufgestellt. Sie bedrohen unsere Nachbarn im Osten und töten schon heute im Süden die, denen es am nötigsten zum Leben fehlt. Sie überschatten unsere ganze Welt mit der Gefahr der Zukunftslosigkeit.

Wir wollen diesem Grauen der Raketen die Klänge und Laute unserer Lebendigkeit entgegensetzen. Wir wollen das, was bedroht ist, der Bedrohung augen- und ohrenfällig gegenüberstellen:

ein klassisches Konzert, als Symbol für die überlebensfähigen und lebensbejahenden Teile unserer Kultur,

am Raketendepot, dem Symbol für die lebensfeindlichen Teile und Tendenzen derselben Kultur.

Unser Protest ist sehr ernst gemeint: Wir wollen durch unsere Lebenslaute die Ein- und Ausfahrt zum Mutlanger Depot für die Dauer des Konzerts verhindern. Wir meinen, daß Todes- und Lebenskultur nicht mehr versöhnbar sind: soll ein lebenswertes Leben zukünftig möglich sein, müssen die Raketen und die dahinterstehende Logik überwunden werden.

Eine Unterbrechung der Todesmaschine durch unsere verletzlichen Lebenslaute kann uns nur für kurze Zeit gelingen. Doch die Laute unseres Überlebenswillens werden auch dann noch weiterwirken, wenn unser Konzert programmgemäß oder durch polizeiliche Räumung beendet sein wird. Den Klängen der Musik wird sich auch der Teil des Konzertpublikums, der noch der Todesmaschine dient, nicht gänzlich verschließen können.
Wir laden in klassischer Musik geübte Musikerinnen und Sängerinnen ein, dieses Konzert mitzugestalten. Als Termin schlagen wir vor: Montag, 15. September 1986, Probenwochenende am 13./14. September, Vorbereitungswochenende am 16./17. August in Schwäbisch Gmünd. Dieses Wochenende soll dem gegenseitigen Kennenlernen, der Vorbereitung auf die Blockadesituation und – sofern es die Teilnehmerzahl zuläßt – einem ersten gemeinsamen Musizieren dienen. Für ein möglichst gutes Niveau des Konzerts ist die Teilnahme an den Probetagen und eine sorgfältige Vorbereitung zuhause unbedingt erforderlich. Das Programm entscheidet sich, wenn Anzahl und Fähigkeiten der Teilnehmerinnen bekannt sind. Wahrscheinlich werden wir verschiedene Stücke unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads für große und kleine Besetzungen aufführen. Über Vorschläge freuen wir uns sehr.
Wer nicht selbst musizieren kann oder keine Zeit für die Proben hat, ist herzlich eingeladen, als ZuhörerIn oder UnterstützerIn – zum Schutz der Instrumente bei einer möglichen Räumung – am Konzert teilzunehmen. Durch Sitzordnung und Programmfolge wollen wir versuchen, auch MusikerInncn, die keinen Prozeß in Kauf nehmen können, die Teilnahme am Konzert zu ermöglichen. Eine Voraufführung des Konzerts an einem der Probe- oder Blockadetage in einem Saal oder in der Gmünder Fußgängerzone kann uns vor dem Frust bewahren, wegen einer raschen Räumung umsonst geprobt zu haben.

Im Interesse einer sorgfältigen Vorbereitung bitten wir um baldige Rückmeldungen, auch von Unterstützern und blockierwilligen Zuhörern, um möglichst definitive Zusagen samt Instrument oder Stimmlage und Einschätzung der eigenen musikalischen Fähigkeiten und um Anregungen bezüglich des Programms und der Organisation. Vorbereitung und Durchführung des Konzerts werden nicht ganz billig werden, wer spenden will und kann, überweise bitte auf Kto. 274 02-702 PSchA Stgt, F. Dehlinger, Kennwort: Lebenslaute.

Wir bitten, den Aufruf weiterzukopieren und weiterzugeben, damit unsere Lebenslaute und Überlebensklänge viele Ohren erreichen.
Rudolf Schmid, Kontrabassist
Wolfgang Dehlinger, Landwirtschaftsazubi
Frieder Dehlinger, Theologiestudent