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Fortsetzung von der vorigen Seite Und diese Ernüchterung brachte mich erneut zur Besinnung auf meine 'Straftat'. Das Ausmaß der täglichen und konventionellen Gewalt in unserer Gesellschaft ist mir jetzt klarer und greifbarer geworden, und von daher die Bedeutung der gewaltfreien Methoden für den Umgang der Einzelnen untereinander, für unsere Gesellschaft und für die politische Auseinandersetzung. Ich habe mehr Kraft, den Weg des zivilen Ungehorsams weiterzugehen.

Dafür waren neben all dem anderen noch zwei Erlebnisse entscheidend. Einmal erlebte ich Ostern im Gefängnis, was mich in die Auseinandersetzung mit dem Leben Christi brachte. Zwei Gedanken sind mir dabei gerade angesichts meiner Gefängniserfahrung sehr wichtig geworden. Das Leben Christi und seiner Nachfolger in der Geschichte sind Beispiele dafür, wie Erkenntnisse, Theorien und Worte in unbedingter Konsequenz zu einem eindeutigen Handeln führten. Ich erlebte in Ansätzen, welche innere Freiheit und Kraft aus einer solchen Einheit von Gedanken und Gelebtem entstehen kann. Das war einer meiner tiefsten Kraftquellen in 'Gotteszell'. Das andere ist die ungeheure Geduld Christi und seiner Nachfolger gegenüber den Menschen, von denen alles abhängt. Sie resignierten oder verbitterten nicht angesichts der wachsenden Gewalt, sondern sie versuchten erst recht, mit ihrem Leben ein demonstratives und ansteckendes Beispiel zu geben, und ließen jedem Einzelnen die eigene Entscheidung bei der Wahl seines Weges. Diese Geduld ohne Resignation scheint mir angesichts von Folter, von Kriegen wie in Vietnam, von Auschwitz, von Hiroshima ... – und von der heutigen Atomkriegsgefahr immer schwerer zu leisten zu sein. Doch ist sie wohl eines der wichtigsten Elemente von Gewaltfreiheit.

Das andere Erlebnis war mein letzter Tag im Gefängnis. Morgens um 7 Uhr hörte ich in den Nachrichten von dem Bombenangriff der US-Army auf Libyen. Ich war erschüttert über die Realität der Kriegsgefahr. Und mir wurde schlagartig nochmals die Notwendigkeit von gewaltfreiem zivilen Ungehorsam gegen die Massenvernichtungswaffen bewußt. Auch da wieder der wahnsinnige Versuch, Konflikte mit Gewalt und 'Vergeltung' zu lösen!
Jutta v. Ochsenstein: Erfahrungen im Gefängnis
Volker Nick kommt nach 100 Tagen raus · Foto: privat
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