Pressehütte Mutlangen
Startseite
Über uns
Blockade in Büchel
Aktuelles von der NPT RevCon
Friedens- und Begegnungsstätte
Friedenswerkstatt
Mitmachen
Magazin FreiRaum
Kalender
Material
Archiv
Kontakt
Links
Konfliktpartner Gefängnis
Unter Einschlu

Fortsetzung von der vorigen Seite Im Gefngnis besteht Arbeitspflicht. Einmal wohl um die Gefangenen zu beschftigen und den normalen Tagesrhythmus von 'drauen' beizubehalten und auerdem um die Unkosten des Gefngnisses abzudecken. Die arbeitgebenden Firmen zahlen den vollen Stundenlohn aus, doch die Arbeiterinnen verdienen hchstens 1.09 DM in der Stunde; der Rest geht an die Gefngnisverwaltung. Ich wollte die Wirkung und Funktion dieser Gefngnisarbeit in eigener Erfahrung kennenlernen und ging 2 Wochen in der Nherei arbeiten: Bei fabrikgefertigten Handtchern (von Egeria aus Tbingen!) trennte ich die fehlerhaften Nhte auf – und dies 7 Stunden tglich bei Neonbeleuchtung und staubiger Luft. Es war eine abstumpfende Arbeit wie die meisten anderen Arbeiten auch. Ausnahmen sind vielleicht Hausmdchenarbeit, Malerlehre u. ., die aber natrlich nur den lngeren Strafen vorbehalten sind. Die Gefngnisarbeit dient zum allergrten Teil weder therapeutischen Zwecken noch der Vorbereitung auf einen Geldverdienst nach der Gefngniszeit.

Die innere Abstumpfung vor allem bei Akkordarbeit wirkt sich eher so aus, da eine Beschftigung mit sich selbst kaum mehr stattfindet. Doch diese Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den Beweggrnden der Straftaten in einem selbst und in unserer Gesellschaft wre vielleicht noch die einzige sinnvolle Aufgabe eines Gefngnisses. Deshalb ist die Gefngnisarbeit in dieser Form sinnlos und trgt zu der unwrdigen Situation der Gefangenen entscheidend bei. Dies wre fr mich Grund genug fr eine Arbeitsverweigerung gewesen.

Ich hatte einen Antrag auf Freistellung von der Arbeitspflicht gestellt wegen meinen Examensvorbereitungen, – dafr gibt es eine KANN-Bestimmung im Strafvollzugsgesetz. berraschenderweise war die Gefngnisverwaltung zu diesem ungewhnlichen Schritt bereit. Die konsequente Arbeitsverweigerung von Sarah Jensen und Karin Vix, die beide auch wegen zivilen Ungehorsams fr mehrere Wochen seit Januar in 'Gotteszell' saen, half bei diesem Zugestndnis vielleicht etwas mit! Die Strafe fr Arbeitsverweigerung ist Freizeitsperre, das heit Fernsehverbot, keine Gesprchs-, Sport- u.a. Gruppen. Fr monatelange wiederholte Arbeitsverweigerung gibt es ein paar

Tage 'Bunker': eine Isolierzelle, in der nur die Bibel zur Verfgung steht, kein Schreibzeug, keine Bilder, kein Radio und kein Kontakt mit anderen Gefangenen; zum Waschen wird morgens ein Eimer warmen Wassers in die Zelle gestellt, die Toilettensplung mu von einer Beamtin von auen bettigt werden ... Was dies bedeutet, habe ich von Mitgefangenen erfahren, die z. B. ihren Urlaub berzogen hatten.

Nach den 2 Wochen Gefngnisarbeit konnte ich mich wieder um mein Studium kmmern. Ich hatte die erlaubte Hchstzahl von 10 Bchern auf meiner Zelle (das 11. war die Strafvollzugsordnung!) und Fotokopien und Schreibzeug, soweit die Beamtin in den Effekten es fr mein Studium wichtig fand, und ich durfte ab und zu eine Schreibmaschine ausleihen.

Der Tagesablauf sah dann ungefhr so aus:

5.30Wecken, indem die Zellentr aufgeschlossen wurde und die Beamtin "Guten Morgen" sagte und einen Blick in die Zelle warf
7.00Arbeitsbeginn und Einschlu in die Zelle fr die 'Arbeitslosen'
12.001/2 Stunde Mittagessen in Schichten im Speisesaal (Eiweiaustausch!)
15.00Arbeitsende und Rckkehr der anderen Frauen und Postausgabe
15.30eine Stunde Hofgang
18.00tglich abwechselnd im Ober- und Untergescho Aufschlu (Zellen geffnet, Zugang zu Bad, Kche und Gang) oder Einschlu (eingeschlossen in die eigene Zelle allein oder mit anderen oder im Fernsehraum)
22.00Einschlu in die eigene Zelle
23.00Licht und Radio gehen aus bis morgens um 5 Uhr – was nicht gerade die Selbstverantwortlichkeit von Erwachsenen frdert!

Auswertungs-Rundbrief Sommer 1986