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Konfliktpartner Gefängnis
Unter Einschlu

Fortsetzung von der vorigen Seite Mit diesem Brief mchte ich auch all den vielen Menschen danken, die mich untersttzt haben und auch durch kritisches Nachfragen mich zur erneuten Auseinandersetzung forderten, – durch die z.T. sehr persnlichen, tglichen Briefe, durch die Blumen und Bilder, die meine Zelle farbiger und persnlicher machten, durch Bcher und Texte, Unterschriftensammlungen, Mahnwachen, 'Stndchen' vor meinem Fenster, mit ihren Gebeten und ihrer gewaltfreien Arbeit, z. B. der Familien-Blockade am Grndonnerstag in Mutlangen ...

Besonders mchte ich mich bedanken fr die Briefe an die Menschen, die mein Gefngnis belastet hat. Dies war einer der Pfeiler, die mich im Gefngnis getragen haben und die z.T. auch zu meiner privilegierten Situation gegenber den meisten anderen Gefangenen beitrugen.

Ein anderer Pfeiler war die Erfahrung, da der zivile Ungehorsam 'in der Tat' mehr in Bewegung setzt als jede andere politische Aktion. Viele Briefe und meine eigenen Gedanken zeigten mir, da eine intensive und aufklrende Auseinandersetzung stattfand mit der Frage nach unserer Verantwortung in einer Welt voller Massenvernichtungswaffen. Eines der wichtigsten Zeichen war das Telefongesprch mit meinem Richter vom Amtsgericht Schwbisch Gmnd. Ich hatte ihm aus dem Gefngnis geschrieben, da die Erfahrungen dort fr mich wie eine Luterung waren und da ich den Weg des zivilen Ungehorsam weitergehen wollte. Daraufhin rief er mich im Gefngnis (!) an und sprach mit mir ber seine Gewissenskonflikte, die durch die Prozesse und durch die Gefngnisaufenthalte von gewaltfreien Blockierern gewachsen seien.

Gefngnisalltag:

In den ersten 10 Tagen war ich mit mehreren Frauen in einer Zelle. Wir arrangierten uns neben einigen Konflikten relativ gut mit unseren verschiedenen Lebensgewohnheiten: sie lieen mich sogar ungestrt meditieren. Dann, Ende Februar, wurde ein luxuriser Neubau zum ersten Mal bezogen und das Gefngnis umstrukturiert. Die meisten Frauen konnten endlich in Einzelzellen untergebracht werden, whrend bisher z. T. 7-Frauen-Zellen und sogar 12-Frauen-Zellen blich waren!

Als Kurzzeitstrafe (bis zu 2 Jahren!) wurde ich in den sogenannten Zellenbau verlegt: ein zweigeschossiger Bau mit ungefhr 40-50 Einzelzellen und einer 3-Frau-Zelle fr Selbstmordgefhrdete. Meine Zelle war Gott sei Dank im Obergescho mit Blick auf Schwbisch Gmnd, statt auf den Klosterinnenhof. So hatte ich mehr Licht und konnte ab und zu in die allerdings nicht sehr einladende Welt 'drauen' blicken – und auerdem mit den BesucherInnen vor meinem Fenster reden! Das Fenster war jedoch so hoch gelegen, da ich auf meinen Tisch steigen mute, um herausblicken zu knnen. Auch andere Vernderungen zu meiner vorherigen Zelle im helleren und freundlicheren Klostergebude wirkten erstmal bedrckend auf mich: meine 'Privattoilette' war nur durch den schrg davor gestellten Kleiderschrank etwas vom restlichen Raum abgetrennt, und ich kannte in diesem Bau nur eine Frau flchtig, da meine bisherigen Zellengefhrtinnen in den Neubau verlegt waren. Diese anonyme Masse vor meiner Zellentr verunsicherte mich. Doch da die Zellentren am Wochenende den ganzen Tag bis um 17 Uhr offen stehen und ich mich dann mit anderen in den Fernsehraum einschlieen lassen konnte, entwickelte sich bald ein reger Kontakt zu anderen Frauen, die sich ja alle in dem neuen Bau erst zurechtfinden muten. Es kam zu Gesprchen ber die Lnge der Haftzeit, ber vor allem plakative Erfahrungen mit Gefngnisleitung, Richtern und Staatsanwlten, die sich alle sehr hnlich anhrten – , ber die Gefngnisarbeit, die eigene Familie und Beziehungen 'drauen' ... Mit einigen Gefangenen entwickelte sich Grafik: Taube durchfliegt Gefängnisgitter eine Freundschaft, die auch noch nach der Haftzeit bestehen bleibt. ber die Straftaten selbst und deren persnliche Hintergrnde wurde nur sehr zgernd gesprochen; von einigen Frauen, mit denen ich tglich zusammen war, wei ich bis heute nicht, warum sie im Gefngnis waren.

Auswertungs-Rundbrief Sommer 1986