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Konfliktpartner Gefängnis
Unter Einschlu

Fortsetzung von der vorigen Seite behindern. Wir haben dabei keine Gewalt angewendet, haben niemanden bedroht, beleidigt oder gar verletzt. Wir sind Soldaten, Polizisten und Bauarbeitern mit Achtung begegnet und haben den Dialog mit ihnen gesucht. Wir haben auch nicht versucht, uns der Festnahme durch krperlichen Widerstand oder Weglaufen zu entziehen. Durch unsere Bereitschaft, jede Reaktion auf unsere gewaltfreie Provokation ohne Gegenwehr und ohne Aggressivitt hinzunehmen, versuchen wir unsere Konfliktpartner zu ntigen, ihr Handeln selbst zu berprfen und an moralischen Mastben zu orientieren.

Wir knnen und wollen mit unseren gewaltfreien Blockaden niemanden zwingen, sich entgegen seiner eigenen berzeugung unserem Gewissen zu beugen. Aber wir wollen das, was wir als schwerwiegendes Unrecht erkannt haben, durch unser gewaltfreies Handeln unbersehbar machen und damit in Frage stellen. Das ist uns, glaube ich, auch gelungen: die Frage nach der Rechtmigkeit der Pershing II offen und im Bewutsein der Menschen zu halten. Htten die Regierenden es sonst ntig gehabt, ber den Abzug der Raketen zu verhandeln und sich schlielich sogar auf einen Vertrag zu einigen?

Der Proze

Am 13.10.87 stand ich dann zum ersten Mal vor Gericht. Ich hatte mich – was mir nicht weiter schwerfiel – zu verantworten fr meine gewaltfreien Blockaden vom 16.9.86, 21.9.86, 18.1.87 und 5.3.87. Staatsanwalt Brink hatte sich vor mir zu verantworten fr seine Anklage, mein Handeln sei gewaltsam und verwerflich gewesen. Und Jugendrichter Schuon mute sich verantworten fr seine bisherigen Verurteilungen, fr sein Schweigen zur atomaren Aufrstung, fr sein Mitwirken bei der Rechtfertigung der atomaren Aufrstung und bei der Kriminalisierung derer, die dagegen gewaltfreien Widerstand leisten.

Ich war wirklich interessiert an einem Dialog ber die Vorwrfe, die mir da gemacht wurden. Ich will ja nun wahrhaftig nicht gewaltsam und verwerflich handeln, schon gar nicht, ohne es zu merken. Aber bei einem Strafproze geht es ja nicht darum, gemeinsam in einem gleichberechtigten Gesprch nach der

Wahrheit zu suchen und dann zusammen eine vernnftige, verantwortliche Entscheidung zu treffen; vielmehr luft alles darauf hinaus, da der Richter am Ende aus seiner Machtposition heraus in Deinem Namen, Volk, ein Urteil fllt. So konnte ich zwar mit dem Richter ansatzweise in einen Dialog treten, in dem wir vielleicht einem gegenseitigen Verstndnis etwas nher kamen, aber wir konnten uns nicht einigen. So stand dann am Schlu das Urteil: der Richter sprach sich selber frei von jeder Verantwortung fr den drohenden atomaren Massenmord und verurteilte mich wegen gewaltsamer, verwerflicher Ntigung zu einer Strafe von 60 Tagesstzen à 5.– Mark. Das heit, wenn ich nicht 'freiwillig' 60 mal 5 = 300 Mark zahle und der Gerichtsvollzieher bei mir nichts zu pfnden findet, dann mu ich fr 60 Tage ins Gefngnis.

Diese Strafe bezieht sich brigens nur auf drei Blockaden. Fr die mit 2 1/2 Stunden Dauer und 38 'Ntigungsopfern' wohl gravierendste Blockade werde ich nicht bestraft. Der Grund: Ein von mir verlangter Zeuge war nicht da und der Richter hatte keine Lust, nochmal einen neuen Termin anzusetzen. Das Verfahren wurde eingestellt.

Warum nicht einfach zahlen?

3OO Mark sind doch nicht viel, denkst Du jetzt vielleicht. Und dafr zwei Monate ins Gefngnis? Vielleicht denkst Du sogar, Du knntest mir ja einen Gefallen tun und mir etwas dazugeben, mich freizukaufen. – Aber das will ich nicht. –

Fr den Staat sind 300 Mark wahrhaftig nicht viel. Aber dem Staat 300 Mark zu geben als 'Wiedergutmachung' dafr, da ich in sein Unrecht eingegriffen habe, kommt mir reichlich absurd vor, ja, ich finde es sogar verwerflich, dem Staat auch nur eine Mark zu geben fr neue Waffen, neue Atomanlagen, neue Gefngnisse.

Wenn Du 300 Mark brig hast, dann gib sie lieber fr was besseres aus. Mit 300 Mark kann mensch zum Beispiel ein Flugticket kaufen helfen, mit dem ein schwerverletztes Kind aus Kriegsgebieten in Nicaragua ins Friedensdorf in Oberhausen gebracht werden kann. Dort kann es eine medizinische Betreuung bekommen, die unter Umstnden berlebensnotwendig, zur Zeit aber in seiner Heimat nicht mglich ist. 300 Mark fr ein Leben, das ist nicht zuviel.
Gefngnis-Rundbrief von Ulrike Laubenthal Mrz 1988