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Konfliktpartner Gefängnis
Unter Einschlu

Gefngnis ist die hrteste Manahme, die unsere Gesellschaftsordnung fr Leute hat, deren Handeln nicht hingenommen werden kann. Insofern ist der bewute Gang 'anstndiger' BrgerInnen ins Gefngnis im gewaltfreien Kampf fr das berleben der wirkungsvolle, dramatischste Appell an das ffentliche Gewissen. Im Rahmen unserer Kampagne gingen etwa 200 Menschen fr ein paar Stunden, ein paar Tage oder auch fr ein paar Monate 'in die Kiste', wie dies im Knastjargon heit.

Wir erlebten drinnen und vor allem auch im Anschlu, wie wichtig es ist, eine funktionierende (Bezugs-)Gruppe als Rckhalt zu haben: Wer keinen persnlichen Zusammenhang hat, um die dortige Erfahrung zu verarbeiten, wird zum hilflosen Opfer und nimmt nie wieder an zivil ungehorsamen Aktionen teil; fr Leute, die diesen Zusammenhang haben, kann gewaltfreier Knast eine ungeheuer befreiende Wirkung haben.

Wir dokumentieren Ulli Laubenthals Gefngnis-Antritts-Rundbrief und Jutta v. Ochsensteins Gefngnis-Auswertungs-Rundbrief. Auerdem haben wir im Carl-Kabat-Haus knapp 100 weitere Gefngnis-Rundbriefe, die wir gerne verschicken, und wir sind immer bereit, einzelne Menschen oder Gruppen auf Gefngnisaufenthalte wegen gewaltfreiem zivilem Ungehorsam vorzubereiten.

Literaturhinweis: Albrecht Bhler-Stysch / Jrgen Menzel:
„Im Namen des Volkes? FriedenstterIinnen im Gefngnis”,
Weber, Zucht & Co. Verlag, Kassel, 1988. Grafik: Warum ich ins Gefängnis gehe

Liebes Volk,

am 16.3.1988 werde ich in der Justizvollzugsanstalt Gotteszell in Schwbisch Gmnd die Ersatzfreiheitsstrafe antreten, zu der mich der Gmnder Amtsrichter Peter Schuon am 13.10.1987 in Deinem Namen verurteilt hat. Ich denke, das geht Dich was an. Deshalb mchte ich Dir kurz erzhlen, wie es zu dieser Verurteilung kam, warum ich die Strafe nicht einfach bezahle und was ich mir von Dir wnschen wrde, wenn ich im Gefngnis bin.

Die Tat

Ich habe am 18.5.1986 die Selbstverpflichtung der Kampagne ziviler Ungehorsam bis zur Abrstung unterzeichnet und mich damit verpflichtet, regelmig an gewaltfreien Blockaden des Mutlanger Vlkermordwaffenlagers teilzunehmen. „Die Selbstverpflichtung bedeutet den grundstzlichen Einstieg in eine Lebensform, die zivilen Ungehorsam gegen die Aufrstung beinhaltet. Sie stellt den Versuch dar, effektiven Widerstand gegen die Kriegsgefahr zu leisten, ohne da sofort alle beruflichen und sozialen Bindungen gefhrdet werden. Sie erfordert die Bereitschaft, persnliche und zugleich gemeinschaftliche Schritte in Richtung auf eine menschenwrdige, gewaltfreie Gesellschaft zu vollziehen.”

Am 6. August 1986, dem 41. Jahrestag des Abwurfs einer amerikanischen Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima, bin ich dann zum ersten Mal bei einer gewaltfreien Blockade festgenommen und wegen 'Ntigung' angezeigt worden. Und weil es seitdem vielfltige Anlsse und immer Grund genug gab, die 'fliegenden Gaskammern' (Dorothee Slle ber die Pershing II) zu blockieren, liegen gegen mich inzwischen 13 Anzeigen wegen Ntigung vor, die letzte vom Juni 1987.

Was ist eine gewaltfreie Blockade?

Die Atomraketen, die in Mutlangen in Deinem Namen, liebes Volk, stationiert sind, bedrohen andere Vlker mit dem atomaren Schnellschu und damit uns alle mit der totalen Vernichtung unserer Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Deshalb haben wir, als Teil des Volkes, uns diesen Raketen in den Weg gesetzt, um die Manver, die Wartung, den Ausbau des Depots zu

Gefngnis-Rundbrief von Ulrike Laubenthal Mrz 1988