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Im Namen und auf Rechnung des Volkes
Blockade-Proze einmal ganz anders
am 10.10.1985

Zweimal schon stand ich wegen Blockaden vor Gericht dem Richter Offenloch in Persching Gmnd gegenber. Ein sehr geduldiger Mensch brigens. Er lt die 'Angeklagten', wenn es denn sein mu, auch mal stundenlang reden und hrt sich alles sehr geduldig an. Ich bin immer wieder berrascht, wie er in der mndlichen Urteilsbegrndung auf einzelne Wortfetzen eingeht, sich aber am Kern elegant vorbeischlngelt. Der Mann kann zuhren aber offenbar nicht verstehen.

Deshalb habe ich mir berlegt, wie ich erreichen kann, da er wirklich darber nachdenken mu, was ich gesagt habe und wieweit er mir noch folgen kann, so da wir einen Weg suchen knnen zum gemeinsamen Verstndnis. So habe ich mir also lediglich ein paar einleitende Worte zurechtgelegt, um ihm zu erlutern, da ich mich voll und ganz auf einen Dialog mit ihm eingestellt habe.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als mensch denkt. Obwohl ich mich redlich bemht habe, Richter Offenloch begreiflich zu machen, warum mir der Dialog so wichtig ist, weigerte er sich beharrlich, an dem Dialog teilzunehmen. Stattdessen holte er, als ich ihn zu Wort kommen lassen wollte, den ersten Zeugen herein und befragte diesen. Als er damit fertig war, fragte er mich, ob ich noch Fragen an den Zeugen htte. Ich erklrte, da fr mich dieser Proze keinen Sinn mehr htte, weil er offenbar nicht bereit sei, sich mit dem, was ich meine, wirklich auseinanderzusetzen. Ich wrde deshalb heimgehen, wenn er nicht bereit sei, den Dialog zu fhren.

Ich packte also meine Akten und Unterlagen zusammen, schraubte die Thermoskanne zu, steckte sie in meine Tasche und stand auf. Whrenddessen vernahm ich seine Worte: Ich weise Sie darauf hin, da Sie die Pflicht haben, anwesend zu sein. Als er sah, da ich trotzdem ging, unterbrach er die Verhandlung. Auch die Zuschauer verlieen den Gerichtssaal.

Neugierig wie ich bin, rief ich am nchsten Tag in der Geschftsstelle des Amtsgerichts an und fragte nach dem weiteren Verlauf des Prozesses. Der Proze war in meiner Abwesenheit weitergefhrt und das Urteil verkndet worden: 2 Monate und 2 Wochen auf Bewhrung (fr meine 3. und 4. Blockade zusammen).

Dennoch: Es ist noch nicht abgerstet. Der Zivile Ungehorsam geht weiter bis zur Abrstung, vor den Toren, im Gerichtssaal und anderswo.

Holger Jnicke, Friedensarbeiter, Reutlingen
die erste Verurteilung zu Gefngnis