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Im Namen und auf Rechnung des Volkes

Fortsetzung von der vorigen Seite Es gibt ein Gedicht, das heißt:

Mein Bruder Polizist,
mein Bruder Soldat!
vergib mir, wenn ich Dich nötige
durch mein einfaches Dasitzen
auf der Straße,
mich als ein Hindernis,
das die sogenannte Ruhe und Ordnung
dieses Staates angeblich stört,
wegzutragen mit der Kraft Deiner Arme.
Ja heb' mich,
ich bin ganz friedlich,
ich leiste keinen Widerstand, außer
daß ich mich stelle wie leblos.
Es ist notwendig, daß Du daraus lernst.
Denn so leblos wirst Du einst daliegen
mit gebrochenen Augen,
zerrissener Lunge,
in der Stunde des Ernstfalles,
wenn Du unsere Warnung nicht lernst
vor dem Wahnsinn dieser Waffen, dieser letzten Waffen
in jenem letzten aller Kriege!

(W. Brockpähler)

Und das gilt nicht nur für den Bruder Polizisten und den Bruder Soldaten. Es gilt auch für den Bruder Staatsanwalt, für den Bruder Richter und für die Schwester Protokollführerin. Wir alle müssen diese Warnung lernen. Wir alle müssen uns widersetzen. Auf einem Plakat auf der Todesstraße las ich: Macht und Gewalt setzen die Zustimmung jedes Einzelnen voraus'.

Im Zusammenhang mit der Blockade der Raketenstation in Waldbröl, an der ich mich beteiligt habe, hat es eine Richterin des Amtsgerichtes Wuppertal abgelehnt, das Hauptverfahren zu eröffnen. In ihrem Beschluß heißt es, die Blockade sei nicht verwerflich gewesen, sie verdiene Respekt und Beachtung. Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde eingelegt. Aus einer Pressenotiz im 'Kölner Stadt-Anzeiger' vom 28.10.1983 ersehe ich,

daß auch in Nürnberg und in Fürth die Eröffnung eines Hauptverfahrens wegen einer Blockade vor dem amerikanischen Munitionsdepot in Feucht – Ostern 1983 – abgelehnt worden ist. Auch hier hatte die Staatsanwaltschaft seinerzeit angekündigt, sie werde Beschwerde einlegen.

In der Rechtsprechung wurde es als nicht verwerflich gewertet, daß ein Freier einer Dirne 10.- DM wieder abgenommen und sie dabei an den Haaren gezogen hat. Militärtransporter auf der Todesstraße in Mutlangen zu blockieren soll verwerflich sein?

Vor der Nachrüstungsdebatte im Deutschen Bundestag hat unsere Regionalgruppe von 'Ohne Rüstung leben' in einem Brief unseren Bundestagsabgeordneten beschworen. Nein zu sagen. Sein Ja hat er unter anderem mit dem Gebot der Nächstenliebe begründet. Als Politiker trage er nämlich nicht nur für sich und für seine Familie, sondern für Millionen Menschen Verantwortung. Wir haben ihm geantwortet, wir fürchteten, er verwechsle Nächstenliebe mit Gruppenegoismus. Nächstenliebe werde im Lukas-Evangelium erklärt. Der Priester und der Levit seien an dem Verletzten vorbeigegangen. Der Nächste sei der Samariter gewesen. Der Samariter aber war der Erzfeind der Juden, der 'Russe' jener Tage. Zur Nächstenliebe gehört Feindesliebe. Mir ist nicht bekannt, daß Jesus Christus gesagt hat: "Schreckt ab Eure Feinde! Bedroht sie wie Euch selbst ..." In der Zeit des Nationalsozialismus mußten Mitbürger einen gelben Stern auf ihrer Kleidung tragen. Darauf stand: Jude. Man konnte wegsehen. Wenn man nicht wegsah, war das lebensgefährlich. Wohin das Schweigen und das Wegsehen geführt haben, habe ich kürzlich in Auschwitz gesehen.

Heute sind hier Pershing II-Raketen stationiert. Auch zu diesem Verbrechen kann man schweigen. Auch heute kann man wieder wegsehen. Zu versuchen, dieses Verbrechen zu verhindern, halte ich für ein Gewissensgebot.

Zum Schluß einige Worte zu der falschen Alternative 'Lieber tot als rot'. Wir, die wir zu einem Land gehören, von dem aus unermeßliches Leid über die Sowjetunion hereinbrach, müßten uns schämen, so zu fragen. Würde ich aber so gefragt, so müßte ich sagen: „Als Toter kann ich nichts mehr ändern. Wie sich aber

Heinz-Günter Lambertz vor dem Amtsgericht Schwäbisch Gmünd