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Im Namen und auf Rechnung des Volkes

Fortsetzung von der vorigen Seite genug, jedoch treten bedenklich aggressive Züge in den Vordergrund. So hat Colin S. Gray, Abrüstungsbeauftragter Reagans, im März 1982 in einem Artikel 'The Idea for Strategie Superiority' (das Konzept der strategischen Überlegenheit) im US-'Air Force Magazine' erklärt, der Nato-Plan, 108 Pershing II-Raketen und 464 landgestützte Cruise Missiles zu stationieren, diene nicht dem Zweck, ein Gleichgewicht mit oder ein Gegengewicht zur Stationierung der sowjetischen SS 20 zu schaffen; die Nato brauche eine beträchtliche Anzahl dieser 572 Abschußvorrichtungen oder ein Äquivalent zu ihnen, egal, ob die Sowjetunion ihre SS 20 reduziere oder nicht. Den Nutzen solch strategischer Überlegenheit hat er unter anderem als die Fähigkeit definiert, aktiv Krisen zu riskieren, um akzeptable politische (man beachte: "politische", nicht militärische!) Resultate zu erzielen. Gray's Feststellungen gipfeln in der These, eine wirkliche Parität der strategischen Potentiale bedeute eine Katastrophe für die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und Verbündeten. Und von Eugene Rostow, Leiter der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde der USA, stammt der Satz: "Wir leben in einer Vorkriegs- und nicht in einer Nachkriegszeit". Er ist in der Ausgabe von Dezember 1982 des 'Playboys' nachzulesen.

Es hat nicht an Warnungen vor solch aggressiven Konzepten gefehlt:

So haben zahlreiche Wissenschaftler im 'Mainzer Appell' im Juli 1983 zum Abschluß des Kongresses 'Verantwortung für den Frieden – Naturwissenschaftler warnen vor neuer Atomrüstung – (FR vom 4.7.1983) erklärt: Was verteidigt werden solle, würde durch den Einsatz der neuen Waffen zerstört. Diese Waffen erhielten wegen ihrer Zielgenauigkeit den Charakter von Erstschlagwaffen (Mechtersheimer hat wohl zutreffender von Ersteinsatzwaffen gesprochen). Mit ihnen sei es möglich, gegnerische Kommando- und Kontrollzentralen und Raketensilos fast sicher zu zerstören. Sie haben vor der Militarisierung des Weltraums und vor einem Atomkrieg aus Versehen durch Computerfehler gewarnt.

Die bundesdeutsche Sektion der 'Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges' (IPPNW) hat im Juni 1983 in einem

Brief an Bundeskanzler Kohl (FR vom 15.6.1983) gefordert, nicht zuzulassen, daß weitere völkervernichtende Atomwaffen auf deutschem Boden installiert werden. Die Bevölkerung der Bundesrepublik würde in einem Atomkrieg fast völlig vernichtet. Die wenigen überlebenden Ärzte, Schwestern und Pfleger könnten nicht einmal das Leiden der Sterbenden lindern. Hingewiesen wurde auch auf die Schäden, die schon jetzt festzustellen sind: als Folge der atomaren Bedrohung breiten sich besonders in der Jugend Zukunftsangst und Depressionen aus.

Auf einem Friedenskongreß psychosozialer Berufe im Juni 1983 in Dortmund haben unter anderem Lehrer, Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeiter (FR vom 25.6.1983) erklärt, Bewußt-Sein für den Frieden bedeute z.B., vor allem über die zunehmende Wahrscheinlichkeit und die furchtbaren Folgen eines Atomkrieges zu informieren, Feindbilder abzubauen, die politisch-moralische Selbstgefälligkeit des Westens infragezustellen, die Auswirkungen der Aufrüstung auf das Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen darzustellen und durch gewaltfreies Handeln und zivilen Ungehorsam Zeichen des Widerstandes zu setzen.

Das Präsidium des Bundes Deutscher Architekten hat in einem 'Manifest gegen den Bau von Schutzbunkern für Atomangriffe', veröffentlicht in der Zeitschrift 'Die Bauwelt' (FR vom 16.10.1983), gefordert, die Programme für den Bau von Schutzräumen als Maßnahme gegen Atomangriffe einzustellen. Das Präsidium halte es für zynisch, Bunker zu bauen, die einen Neutronenangriff unbeschadet überstünden, in denen die schutzsuchenden Menschen jedoch dem Strahlentod ausgeliefert seien. Niemand wisse eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Überlebens der zunächst Entkommenen, wenn das Leben auf der Erdoberfläche ausgelöscht, die Materie zerstrahlt und die schützende Ozonschicht zerstört worden sei. Die aufwendigen, von der Allgemeinheit mitbezahlten Schutzräume für wenige Privilegierte gerieten zu asozialen Luxuseinrichtungen, die im Ernstfall mit Gewalt gegen die große Masse der Nichtprivilegierten verteidigt werden müßten. Die Vortäuschung von Überlebcnschancen setze die Hemmschwellc für den Einsatz nuklearer Waffen herab. Zusammengefaßt: es gebe keinen baulichen Schutz gegen die Folgen eines Atomschlages.

Heinz-Günter Lambertz vor dem Amtsgericht Schwäbisch Gmünd