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Im Namen und auf Rechnung des Volkes

Fortsetzung von der vorigen Seite Zur Begrndung meines Verhaltens habe ich dann etwa gesagt:

Ich hatte Angst. Ich hatte Angst vor dieser Gerichtsverhandlung. Ich habe bisher noch nicht vor einem Strafrichter gestanden. Um die Atmosphre und den Verlauf eines Strafprozesses kennenzulernen, habe ich mir vier Tage Urlaub genommen und bei einem Strafproze vor dem Amtsgericht Kln zugehrt. Dort waren und werden weiter junge und ltere Menschen angeklagt, weil sie im Herbst 1983 an einer Blockade des dortigen Heeresamtes teilgenommen haben. Allerdings bin ich nicht nur nach Mutlangen zum Blockieren gefahren. Ich habe mich auch an einer Blockade in Waldbrl - das liegt im Oberbergischen Land - beteiligt. Dort waren Nike-Hercules-Raketen stationiert, mit denen man im sog. Verteidigungsfall das Gebiet um Kassel htte atomar verseuchen und mit unseren Feinden auch unsere dort lebenden Schwestern und Brder umbringen knnen. Dort habe ich einen Strafbefehl ber 800.- DM, 20 Tagesstze zu je 40.- DM, erhalten. Auch dagegen habe ich Einspruch eingelegt. Angst hatte ich auch vor eventuellen disziplinarrechtlichen Folgen.

Ich hatte Angst wegen der Geldstrafe, durch die ich gezwungen wre, wieder ein Stck Rstung mitzufinanzieren. Ich knnte dieses Geld wahrlich besser verwenden. Hier habe ich zum Beispiel einen Auszug aus der Frankfurter Rundschau (FR) vom 23. Mai dieses Jahres. Dort bittet das Notrzte-Komitee 'Cap Anamur' um Spenden fr seine Arbeit in einem geplnderten Hospital in Uganda. Dort wten Masern, Malaria, tropische Geschwre und Unterernhrung. Ich kann aber nicht darum bitten, das Verfahren mit der Anlage einzustellen, l .000.- DM an dieses rzte-Komitee zu schicken. Ich bin mir nmlich keiner Schuld bewut. Noch mehr Angst hatte und habe ich jedoch vor einem drohenden Atomkrieg. Und nicht zuletzt habe ich Angst davor, vor meinem Gewissen zu versagen.

Warum habe ich nun an dieser Blockade teilgenommen? Ich habe hier ein Plakat, herausgegeben vom Internationalen Vershnungsbund. Es ist eine Darstellung aus der New York Times.
Ich habe das Plakat dann dem Staatsanwalt, dem Richter, der
Plakat des Internationalen Versöhnungsbundes mit 'Sprengkraftquadraten' Protokollfhrerin und meinen Freunden im Zuschauerraum gezeigt. Es besteht aus einer Vielzahl von Quadraten. Jedes Quadrat enthlt eine Vielzahl von Punkten, mit Ausnahme des mittleren Quadrats, in dem nur ein Punkt zu sehen ist. Oben links in der Ecke ist ein Quadrat, in dem sich wesentlich mehr Punkte als in jedem der brigen Quadrate befinden.
Ich habe das Plakat dann erklrt:
Der mittlere Punkt bedeutet 3 Millionen Tonnen Vernichtungskraft – das ist die Gesamtmenge, die die USA whrend der sechs Jahre des zweiten Weltkriegs auf ihre Feinde geworfen haben. Die anderen fnftausend Punkte stellen 15 Milliarden Tonnen Vernichtungskraft dar, die Gesamtmenge, die heute in den nuklearen Arsenalen der USA und der Sowjetunion lagert. Und ganz oben links das Kstchen mit den vielen schwarzen Punkten bedeutet die Sprengkraft von 'nur' 100 Millionen Tonnen, die nach Auffassung fhrender amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler – wenigstens in diesem Punkt sind sie sich einmal einig – ausreicht, um die Erde in einen dunklen, erfrorenen Planeten zu verwandeln, auf dem vermutlich alles menschliche Leben ausgelscht sein wird. Das nennt man den nuklearen Winter.
Heinz-Gnter Lambertz vor dem Amtsgericht Schwbisch Gmnd