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Heinz-Günter Lambertz vor dem
Amtsgericht Schwäbisch Gmünd


Du Richter.
Wenn sie Dich heute beschwören,
gerechtfertigt sei unser Rüstungsverbrechen,
Menschenblockaden seien verwerflich...
Dann gibt es nur eins:
Sprich FREI!
Liebe Freunde,
am 14.6.1984 war ich ins Amtsgericht Schwäbisch Gmünd geladen. Schwäbisch Gmünd, besser: Pershing Gmünd, ist der Nachbarort von Mutlangen. Ich hatte einen Strafbefehl über 1.000.- DM Geldstrafe erhalten, 20 Tagessätze zu je 50.- DM. Dagegen hatte ich Einspruch eingelegt.
Im Strafbefehl hieß es:
Der Genannte wird beschuldigt, er habe gemeinschaftlich in 5 Fällen jeweils einen anderen rechtswidrig mit Gewalt zu einer Handlung und Unterlassung genötigt, indem er am 11.12.1983 gegen 19.30 Uhr auf der einzigen Zufahrt zum US-Militärgelände in Mutlangen im bewußten und gewollten Zusammenwirken mit 77 anderweitig verfolgten Personen durch Blockieren der Fahrbahn den Zeugen Rail, der mit vier weiteren amerikanischen Soldaten mit einem aus 5 Fahrzeugen bestehenden Konvoi von Militärfahrzeugen in das Militärgelände einfahren wollte, zum Anhalten zwang und an der Weiterfahrt hinderte, weshalb er gegen 19.30 Uhr von den Polizeibeamten Mühleisen und Eger aufgehoben und weggetragen werden mußte, um den fünf Fahrern des Militärkonvois die Weiterfahrt zu ermöglichen.

Fünf tateinheitliche Vergehen der gemeinschaftlichen Nötigung, strafbar nach §§ 240, 25 Abs. 2, 52 StGB.

§ 240 StGB lautet:
(1) Wer einen anderen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe, in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 5 Jahren bestraft.

(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.
(3) Der Versuch ist strafbar.

So gut ich es vermag, will ich jetzt über den Verlauf des Prozesses berichten. Dabei liegt das Schwergewicht auf meinen Ausführungen, mit denen ich mein Verhalten begründet habe. Hierzu hatte ich mir Notizen in Form von Stichworten gemacht.

Bevor ich in den Verhandlungsraum ging, hatte ich einen Jute-Umhang übergezogen. Auf der Vorder- und auf der Rückseite dieses Umhangs sieht man das Emblem von 'Ohne Rüstung leben'. Es besteht aus dem kreisförmig angeordneten Text und dem Mittelfeld: einem nach unten gerichteten, zerbrochenen Gewehr, von einem stilisierten Kreuz durchkreuzt. Der Richter bewies Toleranz. Er hätte mich auffordern können, den Umhang abzulegen. Er hätte den Umhang als Mißachtung der Würde des Gerichts werten und eine Ordnungsstrafe verhängen können. Nichts dergleichen geschah.

Der Richter eröffnete die Verhandlung. Er rief den Zeugen, den Polizisten Mühleisen, auf und belehrte ihn über seine Pflichten. Der Staatsanwalt verlas den Strafbefehl.

Ich habe dann sinngemäß gesagt:

Ich leugne nicht, daß ich blockiert habe. Ich halte es auch für unwesentlich zu klären, ob das um 19.30 Uhr oder um 19.33 Uhr geschehen ist. Sehr gut erinnere ich mich noch an so heftiges Schneetreiben, daß mir, wenn ich in den Himmel blickte, fast schwindelig wurde. Noch mehr Schwindel verursachte mir allerdings der Gedanke an die hier stationierten Pershing II-Raketen. Sie brauchen mir den Tathergang also nicht nachzuweisen. Ich bekenne mich zu meinem Verhalten.

Ich habe dann gebeten, mir stattdessen mehr Zeit zu geben, um mein Verhalten zu begründen, und habe darauf hingewiesen, daß ich mir hierfür Notizen gemacht hatte. Der Richter fragte, ob er den Zeugen unter diesen Umständen nach Hause schicken könne. Dazu habe ich jedoch erklärt, ich würde ihm gern später einige Fragen stellen.