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Im Namen und auf Rechnung des Volkes

Fortsetzung von der vorigen Seite Natürlich wird der Angeklagte verurteilt, wegen Nötigung, ohne daß es in irgendeiner Weise darauf angekommen wäre, ob Pershing-Raketen vor oder nach ihrer Zerstörung verwendet werden müssen. Die präzisen Verhandlungen über den Frieden ändern nichts am Ausgang des Prozesses. Ob es bündig zugeht oder dauert, an den bis zur Unkenntlichkeit abgegriffenen Urteilsbegründungen ist nicht zu rütteln. Und daß im Saal keine Empörung aufkommt, muß daran liegen, daß kaum noch einer richtig hinhört. Dem Richter Herzel, der auch keine besseren Begründungen hat, haben sie neulich sein ganzes Urteil zersungen. „We shall overcome”, erklang es aus dem Auditorium, während er zwanzig Tagessätze auswarf. „Das ist furchtbar, so gehen die Bürger mit ihrem Gericht um”, klagt Herzel.

Warum gehen die Richter so mit ihren Bürgern um? Amtsgerichtsdirektor Röhrle, in Gmünd auch Fraktionsvorsitzender der CDU, findet die Urteilspraxis seiner Richter wohl selbst so auffällig, daß er unaufgefordert versichert: „Natürlich hat es keine Anweisungen von oben gegeben, wie wir uns verhalten sollen.” Es sei, sagt Röhrle, vielmehr so gewesen: „Jeder von uns hat sich dazu durchgerungen.”

Diese Juristen, die Angst haben, das Grundgesetz anzuwenden, die von Tumulten die Demokratie bedroht sehen und sich gar nicht vorstellen können, wie jemand an ihrer Rechtsauffassung zweifeln kann, schätzen im übrigen die Lage vier Kilometer vom Raketenstandort gar nicht so falsch ein. „Ich habe Kinder”, sagt der Richter Herzel, privat, außerhalb der Verhandlung, „für meine ganze Familie mache ich mir Sorgen, was hier eines Tages passieren kann, das ist eine Gefahr für die ganze Menschheit.”

Aber, so meint der alte Richter, „muß man sich deshalb gleich auf die Straße setzen?”
der Spiegel 50/1984
 · Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM
Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM