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Fortsetzung von der vorigen Seite Zum Dialog am 10. April

Uns ist natürlich völlig klar: Unsere Gesprächspartner sind nicht die Leute, von denen wir unser eigentliches Ziel (die Rücknahme der Pershing II-Raketen als einen ersten Schritt zur Verringerung der Atomkriegsgefahr) einfordern können.

Es handelt sich insofern gar nicht um 'den' Dialog mit dem eigentlichen politischen Gegner. Andererseits stehen uns die baden-württembergische Regierung und ihre Polizei, sowie die Armee im politischen Kampf als Gegner gegenüber; sie tragen jede Menge Mitverantwortung am Unrecht der Stationierung; ohne ihre Bereitschaft zur Kooperation wären die Bundesregierung und die NATO nicht in der Lage, die Stationierung aufrechtzuerhalten.

Dadurch ähnelt die Gesprächsrunde vom 10. April weniger den von uns angestrebten Gesprächen, sondern sie gleicht vielmehr den Hunderten und Tausenden von Gesprächen, die Mitglieder der Kampagne in den letzten drei Jahren am Zaun der Raketenlager, in Polizeibussen und vor 'unseren' Richtern führten. Anders ausgedrückt: Hier handelt es sich wirklich und in keiner Weise um 'Verhandlungen' mit dem politischen Gegner. Von uns aus ist am 10. April nichts zu verhandeln; es gibt nichts, was dort zwischen uns und den anderen 'auszuhandeln' wäre; wir werden für niemanden sprechen können als für uns selber; wir haben kein 'Mandat' der Kampagne (und wir wollen kein Mandat, so wie Leute, die am Zaun stehen und einen US-Soldaten ins Gespräch zu ziehen versuchen, ja auch kein 'Mandat' der Kampagne benötigen).

Bedenken

Wir, die wir von Herrn Kilger zu diesem Gespräch eingeladen wurden, haben uns immer wieder gefragt, ob dieses Angebot nicht versteckte Haken hat. Es ist wohl kein Zeichen krankhaften Mißtrauens, wenn wir uns immer wieder überlegen, ob wir vielleicht irgendwie reingelegt werden sollen, – vielleicht haben Sie ähnliche Verdächte.

Uns ist auch überhaupt nicht klar, was sich Leute wie Herr Stümper oder General Schild von so einem Treffen mit 'Kriminellen' versprechen. Soll versucht werden, mit uns (als mit den 'Rädels-

führern') irgendetwas auszumauscheln? Oder ist dies der Anfang eines Versuchs, Mißtrauen und Grabenkämpfe in die Kampagne hineinzutragen? Rechnet sich die Gegenseite aus, daß sie uns eventuell im Vor- oder Nachfeld dieses Gesprächs irgendwie kompromittieren könne? Das sind so die Bedenken, die wir mit diesem Gespräch verbinden.

Ob sie berechtigt sind, werden wir nur erfahren können, wenn wir uns auf das Gespräch einlassen. Vielleicht haben Polizei und Landesregierung inzwischen auch einfach Angst vor einer Eskalation in Mutlangen? Wir werden nicht davor zurückschrecken, ihnen zu erzählen, was wir in Mutlangen vorhaben.

Was bedeutet dieses Gespräch für uns und für die Kampagne?

Vielleicht enthält es die Gefahr einer Spaltung der Kampagne bzw. die Gefahr, daß wir uns in der nächsten Zeit zu stark mit uns selber statt mit den Raketen beschäftigen. Andererseits bedeutet dieses Angebot auf jeden Fall eine (für uns im Moment unerwartete) politische Aufwertung der Kampagne. In der Einleitung zum 8. Rundbrief hatten wir geschrieben, daß im Jahr 1987 der Zivile Ungehorsam gegen die Stationierung einen echten Sprung nach vorn machen kann. Wir gingen dort vor allem vom baldigen Zusammenbrechen der Gmünder (Un-)Rechtsprechung aus. Wir wissen nicht, ob und wie diese Prognose von staatlicher Seite geteilt wird.

Wir verstehen das Gesprächsangebot als Anzeichen (vielleicht sogar als Eingeständnis), daß langsam die Illusion nachläßt, der Zivile Ungehorsam (zumindest in Mutlangen) sei durch hartnäckiges staatliches Ignorieren und Verdrängen bzw. durch ein kleines Amtsgericht und seine Richter aus der Welt zu schaffen und würde sich schon zu'frieden' geben.

Wir sehen es als einen ersten kleinen, aber wichtigen Erfolg der Kampagne (und der gesamten Friedensbewegung) für die politische Kultur in unserem Land an, wenn nicht mehr lediglich Industrie- und andere Machtballungen mit den Regierenden im Gespräch sind, sondern wenn sich irgendwann einmal die

Zum Gespräch mit Polizei, Militär und Politikern im Rundbrief 15. März 1987