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Konfliktpartner Polizei
Hter der Ordnung

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

im 'Offenen Brief an die Bundesregierung, z. Hdn. des Bundeskanzlers' steht: „Unser faktischer und politischer Druck mu so gro werden, da es fr Polizei, Militr, Justiz und schlielich auch fr Sie und Ihre Regierung unmglich wird, sich einer wirklichen Auseinandersetzung mit unseren Argumenten zu entziehen und die Stationierung aufrechtzuerhalten.” Nun, die ernsthafte Auseinandersetzung mit denen, die die Verantwortung fr die 'Nachrstung' bernehmen zu knnen glauben, steht noch aus; aber immerhin haben wir folgendes Gesprchsangebot bekommen:

Kirchenrat Kilger aus Stuttgart hat Wolfgang Sternstein, Volker Nick und Christof Then sowie ein bis zwei weitere Mitglieder der Friedensbewegung bzw. der Kampagne zu einem Gesprch eingeladen. Auf der zweiten Seite des vierseitigen Tisches sollen 'wir' sitzen, uns gegenber Mitglieder der Bundeswehr, der US-Armee und der Landesregierung. Fr die vierte Seite des Tisches haben auf Herrn Kilgers Einladung bisher zugesagt: Herr Stmper (Landesinspekteur der Polizei von Baden-Wrttemberg) und Herr Sturm (Polizeiprsident und direkter Chef von Herrn Brger, den manche vielleicht schon in Mutlangen gesprochen haben; Herr Brger leitet hufig Polizeieinstze gegen uns, wenn heiklere Situationen zu erwarten sind, wie Pershing II-Alarm-Ausfahrten, Seniorenblockade oder auch beim Blockade-Herbst.)

Herr Kilger hat diese Gesprchsrunde fr den 10. April 1987 eingeladen. Folgetreffen seien mglich, falls gewnscht. Herr Kilger nannte als sein Ziel, er wolle einen Dialog, wenigstens eine Gesprchsmglichkeit, schaffen, zwischen gesellschaftlichen Gruppierungen, die sich in der politischen Auseinandersetzung als Gegner gegenberstehen; er wolle keine falschen Verbrderungen oder suspekten Absprachen anstreben, sondern den Versuch machen, bei und trotz unterschiedlichen Positionen der Beteiligten sowas wie ein gegenseitiges Verstndnis aufzubauen. Stattfinden soll das Gesprch in einem Hotel in Stuttgart-Degerloch.

Unsere Stellungnahme:

Allgemeine Vorbemerkungen zum Thema Dialogbereitschaft

Sowohl die unbeirrbare Bereitschaft zum Dialog, als auch die Fhigkeit, diesen Dialog ohne Feindbilder, ohne Rechthaberei und ohne den Wunsch nach einem 'Triumph ber den Feind' zu fhren, gehren sicherlich zum Instrumentarium eines gewaltfreien Kampfes.

Wir Initiatoren des 'Offenen Briefs' sowie alle Unterzeichnerinnen haben uns festgelegt darauf, da wir die ernsthafte und aufrichtige Auseinandersetzung auch und gerade mit politisch Andersdenkenden, mit dem politischen Gegner fhren wollen. Zu diesem Gesprchsangebot stehen wir aus berzeugung; wir mssen auch dazu stehen, wenn wir unsere Glaubwrdigkeit nicht verlieren wollen. Dabei mu allen Beteiligten klar sein: Die scheinbare Naivitt unserer Haltung bedeutet nicht, da wir uns idealistische Illusionen machen wrden (z.B. da nach einem kurzen Gesprch zwischen Kohl und uns die Bundesregierung sofort abrstet oder so hnlich). Sie bedeutet ebensowenig, da wir danach lechzen wrden, endlich in vertraulichen Treffen korrumpiert zu werden (auch nicht durch grne Regierungsbeteiligung).

Unsere Gesprchsbereitschaft, unsere gesamte Gewaltfreiheit, ist vielmehr Ausdruck einer Lebenshaltung, die wir fr berlebens-notwenig halten und zu der wir keine Alternative sehen. Sie bedeutet, sich selbst und den Gegner als Menschen ernstzunehmen. Sie bedeutet die Verpflichtung, jederzeit Gegenargumente, neue Aspekte, andere Meinungen zu prfen. Sie bedeutet die Miachtung gesellschaftlicher Macht, oder, anders ausgedrckt, sie bedeutet den Versuch, politische Konflikte so weit voranzutreiben, bis die persnlichen Verantwortlichkeiten sichtbar werden. Unsere Bereitschaft, mit dem Gegner jederzeit zu reden, ist das Gegenteil der Bereitschaft, mit dem Unrecht je zusammenzuarbeiten. Wir konfrontieren vielmehr diejenigen, die das Unrecht verantworten, mit ihrem Unrecht. Und wir wollen ihnen die Aussichtslosigkeit ihres persnlichen Festhaltens am Unrecht vor Augen fhren.

Im Vorfeld der 2. Seniorenblockade gab es ein Gesprch mit Polizei, Militr und Politikern, an dem Heike Huschauer, Volker Nick, Luise Olsen, Wolfgang Sternstein, Christof Then teilnahmen     Aus einem Rundbrief 15. Mrz 1987