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Konfliktpartner Militär
Soldaten sind potentiell keine Mörder

Mark Lane war nicht mehr bereit, „auf den Knopf zu drücken und Millionen von Menschen umzubringen”.

1. Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß unsere gewaltfreien Aktionen den betroffenen Soldaten das Leben schwerer machen. Mittelbar oder unmittelbar verursachen wir Verzögerungen im Dienstablauf, Freizeitsperren und andere Schikanen, GEWISSENSDRUCK. Wir haben die Aktionsform der gewaltfreien Blockade ja gerade deshalb gewählt, weil sie in den militärischen Ablauf eingreift und weil sie Vorgesetzte und Untergebene dazu bringt, ihr Gewissen befragen zu müssen.

2. Unabhängig davon, ob Mark Lane's Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, durch Aktionen der BRD-Friedensbewegung mitbeeinflußt wurde oder nicht – seine Entscheidung ist genau der Schritt, den wir jedem der von uns blockierten Fahrzeugfahrer nahelegen wollen: Innehalten –: nachdenken – umkehren zum Leben.

3. Uns muß bewußt sein, daß jeder GI, der unseren Gewissensappell beherzigt, mehr in Frage stellt, als die meisten von uns bisher einzusetzen bereit waren: sein berufliches und gesellschaftliches Umfeld müssen ihn ausstoßen – schon um zu verhindern, daß dieser 'Gewissensvirus' weitere Soldaten 'infiziert'.

4. Mark Lane, seine Frau und ihre drei Kinder sind jetzt auf die Solidarität der deutschen Friedensbewegung und insbesondere der Kampagne angewiesen. Wir können mit unserer Solidarität und mit unserem Geld helfen, daß Mark Lane seinen mutigen Schritt nicht bereut. Bitte bedenken Sie die Dramatik seiner Situation!!

5. Mark Lane plant den Aufbau einer Heilbronncr GI-Betreuung, ähnlich wie Bill Boston für Mutlanger und Schwäbisch Gmünder US-Soldaten eine Rechts- und sonstige Beratung durchführt. Wir werden in unseren Rundbriefen über den Fortgang dieses Projekts berichten.

aus dem 9. Rundbrief April 1987

6. Unser Impuls, Mark Lane zu unterstützen, ist natürlich in erster Linie ein mitmenschlicher Impuls. Wir denken jedoch auch daran, daß seine ehemaligen Kameraden sicherlich mit großem Interesse verfolgen werden, ob die deutsche Friedensbewegung US-Kriegsdienstverweigerer hängen läßt oder nicht. Es kann gut sein, daß – vor allem im Laufe der Zeit – noch mehr GIs die moralische Unerträglichkeit der Massenmord-Raketen erkennen. Wir sollten alles nur Erdenkliche tun, um den GIs diese Einsicht, dieses Nachdenken zu erleichtern! In diesem Sinne wird unsere Reaktion auf Mark Lane's Kriegsdienstverweigerung auch auf seine ehemaligen Kameraden eine Signalwirkung ausüben.

7. Eine kleine, aber doch konkrete Utopie: Die Friedensbewegung entwickelt in den nächsten Monaten und Jahren eine solche innere Überzeugungskraft, daß man uns bald nicht mehr wegen bloßer Nötigung nach § 240 StGB, sondern vor allem wegen WEHRKRAFTZERSETZUNG verfolgt. Stellt Euch vor, eines Tages beginnt eine Pershing-Einheit, im Manöver mit ihren Vorgesetzten darüber zu diskutieren, was es bedeutet, die Koordinaten von Warschau im Fadenkreuz zu haben ... Auch wenn dies natürlich noch ein frommer Traum ist – seine Verwirklichung wird lediglich eine kleine Etappe markieren auf dem langen Weg.

8. Wir sollten Mark Lane's Kriegsdienstverweigerung bei jeder unserer Blockaden berücksichtigen: Bei der Blockade konfrontieren wir uns und unsere bisherige Gewaltfreiheit mit potentiellen Kriegsdienstverweigerern! Wenn wir diesen Gedanken zu Ende denken, wird klar: Eine gewaltfreie Blockade ist nicht die Gelegenheit, wo man/frau seinen/ihren Haß aufs Militär zum Ausdruck bringen kann. Sondern sie ist eine Gelegenheit, die kompromißlose Ächtung von Massenmordwerkzeugen zu verknüpfen mit einer Aktion der Hinwendung zu der Menschlichkeit der Soldaten.