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Vorbild Pflugschar-Bewegung
Brief einer US-Pflugschar-Aktivistin aus dem Gefngnis:

Lieber Richter Bartlett,

unser Rechtsanwaltsfreund Henry Stoever hat Ihnen mitgeteilt, da ich zgere, einen Wiederaufnahmeantrag nach Verordnung 35 zu stellen. Mit diesem Brief beabsichtige ich, meine ursprnglichen Gedanken dazu zu klren.

Erstens, ich finde den Gedanken der Bestrafung im ganzen moralisch anstoend. Wir werden die Probleme der Gesellschaft oder des einzelnen nicht dadurch lsen, da wir Menschen in Kfige einsperren. Gefangenschaft ist eine Form der Gewalt, die dem Gefangenen und der ganzen Gesellschaft angetan wird. Sie, die Gesellschaft, schadet sich selbst, wo immer sie eines ihrer Mitglieder ausstt. Ich habe nicht fr alle damit zusammenhngenden Probleme eine Lsung, aber ich wei, Einkerkerung ist keine Lsung. Solange Hunderte und Tausende von Schwestern und Brdern auf diese Weise geopfert werden, ist die Vorstellung eines 'besseren' Urteils fr mich ohne jede Bedeutung.

Zweitens, sehr wichtig ist mir die Aussage, die ich whrend des Prozesses gemacht habe. Sie haben oft gesagt, Sie htten einen 'Job' und seien durch Regeln und Verfahren gebunden. Zugleich sind Sie aber ein Mensch mit einem Gewissen. Wenn Sie im Einklang mit Ihrem Gewissen glauben, ich verdiente achtzehn Jahre im Gefngnis zu sitzen, wenn Sie glauben, das sei gerecht und moralisch, so sollten Sie keine Gewissensbisse dabei empfinden, das Urteil so, wie es ist, aufrechtzuerhalten. Wenn Sie jedoch glauben, achtzehn Jahre seien unmig, sollten Sie die Ungerechtigkeit korrigieren, nicht weil ich oder ein Anwalt oder meine Freunde Sie darum bitten, sondern weil es richtig ist, es zu tun.
Fr mich wre der Versuch, Sie zu beeinflussen, gleichbedeutend mit der Unterstellung, Sie seien unfhig, Ihrem eigenen Gewissen zu folgen, und eine Einmischung in Ihren freien Willen, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Vielleicht werde ich achtzehn Jahre im Gefngnis zubringen. Es gibt Schlimmeres: Es widerfhrt den Mttern, die heute mitansehen mssen, wie ihre Kinder verhungern. Es widerfhrt den Opfern all der 'kleinen' Kriege, die heute durch Waffen, die von den Supermchten geliefert werden, sterben. Es wird uns allen widerfahren, sobald die Raketen Missouris fliegen.

Sie allein entscheiden ber die Lnge meiner Haft. Wie Sie sich erinnern werden, hatte ich vor dem 27. Mrz, dem Tag der Urteilsverkndung, keine Vorschlge hinsichtlich einer 'angemessenen' Verurteilung gemacht. Das ist auch heute noch so. Die achtzehn Jahre waren Ihre Idee. Was auch immer dabei herauskommen mag, ich werde mein Bestes tun, um meinen christlichen Glauben in Frieden mit mir selbst, meinen Brdern und Schwestern zu leben. Ich hoffe. Ihre Entscheidung gewhrt Ihnen die Segnungen ebendieser Freiheit.

Helen Woodson

aus dem 3. Rundbrief der Kampagne, November 1985