Pressehütte Mutlangen
Startseite
Über uns
Blockade in Büchel
Aktuelles von der NPT RevCon
Friedens- und Begegnungsstätte
Friedenswerkstatt
Mitmachen
Magazin FreiRaum
Kalender
Material
Archiv
Kontakt
Links
Datenschutz
Prominenten-Überraschungs-Blockade 1985
Presse-Erklärung

Frankfurt, 25. September 1985

Am gestrigen Dienstag blockierten neun Prominente und in der Friedensbewegung Engagierte für etwa eine Stunde auf der B 298 in Mutlangen einen Manöverkonvoi und um die Mittagszeit ebenfalls für etwa eine Stunde US-Militärfahrzeuge sowie Baufahrzeuge, die dem derzeit mit zig-Millionen DM Aufwand betriebenen Aushau des US-Airfield Mutlangen dienen, direkt am Pershing-Depot.

Diese gewaltfreie Blockade unternahmen Inge Aicher-Scholl (Schwester der von den Nazis ermordeten Geschwister Scholl, Rotis), Wolf Biermann (Schriftsteller, Liedermacher, Hamburg), Professor Helga Einsele (ehemalige Leiterin des Frauengefängnisses in Frankfurt), Fritz Hartnagel (Richter i.R., Stuttgart), Professor Michael Th. Grevcn (Politologe, Marburg), Walmut Möller-Falkenberg (Hausfrau, Mutter von zwei Kindern, Seeheim-Jugenhcim), Professor Wolf-Dieter Narr (Politologe, Berlin) und Hanne und Klaus Vack (Sekretär/in des Komitees für Grundrechte und Demokratie, Sensbachtal). Die Genannten führten ihre Aktion in Form einer gewaltfreien Sitzblockade durch. Sie wurden von der Polizei festgenommen (...)

Im Anschluß an ihre Aktion erklärten die Demonstrantinnen und Demonstranten: „Mit unserer heutigen Sitzblockade solidarisieren wir uns mit allen Verurteilten nach § 240 StGB und insbesonders mit jenen. die gerade zur Zeit wegen ihrer gewaltfreien Friedensaktionen im Gefängnis sitzen, und erklären zugleich, daß wir weiterhin mit derartigen Aktionen unseren Protest und Widerstand gegen Atomraketen wie die Pershing II, gegen andere Massenvernichtungswaffen und gegen alle aggressiven Kriegsführungsoptionen demonstrieren werden.” In der Erklärung wird darauf hingewiesen, daß die Aktion im Rahmen der Kampagne 'Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung' durchgeführt wurde. Mit derartigen Aktionen wurden in den letzten Monaten vermehrt durch gewaltfreie Blockaden und ähnliche Aktionen Zivilen Ungehorsams der Militärbetrieb in Mutlangen (aber auch in Heilbronn, Neu-Ulm, beim Cruise Missiles-Stationierungsort im Hunsrück und bei verschiedenen Herbstmanövern) gestört.

„Es ist höchste Zeit, für die Freiheit des Demonstrierens zu demonstrieren. Wenn das grundrechtlich verbriefte Recht auf Demonstration verfassungswidrig eingeengt wird, dann lautet die demokratische Antwort, mit Zivilem Ungehorsam zu reagieren.” In Bezug auf die beim Amtsgericht in Schwäbisch Gmünd fortlaufend ausgesprochenen Urteile von 20 Tagen und mehr wegen 'verwerflicher Nötigung' stellen die Blockierer, die selbst teilweise Juristen sind, fest: „Wir behaupten, daß Gerichte Recht brechen, wenn sie Bürgerinnen und Bürger - unter ihnen viele junge Menschen - mit dem Etikett der Verwerflichkeit kriminalisieren, statt die Sorge um den Frieden, die uns zum Handeln zwingt, und unsere friedlichen und gewaltfreien Demonstrationsformen anzuerkennen.”

Zugleich wird darauf hingewiesen, die Erhöhung der Kriegsgefahr durch die Raketenstationierung und das sich immer weiter steigernde Wettrüsten forderten jede und jeden um den Frieden besorgte Bürgerin und Bürger heraus, vermehrt an der Aktionsform des gewaltfreien zivilen Ungehorsams teilzunehmen, damit der Widerstand gegen das Wettrüsten sich verstärke, bis durch den Druck der Bevölkerung eine reale Abrüstung erzwungen werde.