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Vorbild Pflugschar-Bewegung
Auf der Rückseite des Kampagnen-Flugblatts stand Daniel Berrigans Satz: „Wir können nicht beides haben, die Kinder und die Bombe”, die kürzeste Zusammenfassung dessen, worum es ging. Insbesondere in Zeiten der 'Anfechtung', wenn uns von allen Gutmeinenden ein wenig mehr Zurückhaltung empfohlen wurde, stärkte uns das Beispiel der Pflugschar-Bewegung, – obwohl unsere Risiken und unser Einsatz wenig vergleichbar waren mit dem, was die Brüder Phil und Daniel Berrigan in den USA initiiert hatten. Siehe auch Seite 21 und 53.
Phil Berrigan in Mutlangen im Herbst 1983  Foto: Esders
Phil Berrigan in Mutlangen im Herbst 1983
Foto: Esders
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Wir zitieren auf den folgenden Spalten aus Wolfgang Sternstein: „Abrüstung von unten. Die Pflugscharbewegung in den USA und in Europa.” Stuttgart o.J.
Grafik: Umschmieden eines Schwertes Pflugschar-Aktionen sind symbolische Abrüstungsaktionen oder demonstrative Sachbeschädigungen. Sie werden von religiös motivierten Gruppen – in Ausnahmefällen auch von Einzelnen – unter Berufung auf das bekannte Prophetenwort von den zu Pflugscharen geschmiedeten Schwertern mit Handwerkzeug (Hammer, Bolzenschneider, Meißel u.a.) ausgeführt und richten sich gegen Atomwaffen oder Atomwaffensysteme. Die Aktivisten bleiben bis zur Festnahme am Tatort. Sie übernehmen die Verantwortung für ihre Tat in der Öffentlichkeit und vor Gericht. Wesentlich für Pflugschar-Aktionen ist schließlich, daß die Täter niemand gefährden, verletzen oder gar töten. Sie gefährden allenfalls sich selbst, wobei sie sorgfältig darauf achten, keine unnötigen Risiken einzugehen.
Wolfgang Sternstein


Seit September 1980 sind amerikanische Erstschlagatomwaffen oder -komponenten durch vierzehn dieser Widerstandshandlungen beschädigt oder zerstört worden. Die 'Zeugnisse' gingen allesamt aus Gemeinschaften des Gebets, des politischen Nachdenkens und des intensiven Gesprächs hervor. Die Gemeinschaft wartete stets auf die Festnahme, die auf die Aktion folgte, und 'eignete' sie sich im Gerichtsverfahren und in der Haft 'an'.

Großmütter, katholische Nonnen, Feministinnen, Priester, Geistliche, Rechtsanwälte, katholische Sozialarbeiter, Friedensarbeiter, Schriftsteller, Lehrer – fast jede Erfahrungs- und Berufsrichtung hat die Pflugschar-Gruppen bereichert. Die meisten Mitglieder kamen aus christlich-katholischer Tradition. Es waren radikale (biblische) Christen, abgesehen von den Juden Sheila Parks und Todd Kaplan sowie dem Indianer Larry Cloud Morgan. (...)

Die Pflugschärler bereiten sich auf Verletzung und Tod vor, wenn sie in die Todeslager des Imperiums eindringen. Es handelt sich nicht um eine makabre Einbildung ihrerseits. Tödliche Gewalt schützt diese alles vernichtenden Waffen – dem militärischen oder dem Wachpersonal steht es frei, sie beim ersten Anblick zu erschießen. Die Warntafeln an den Minuteman II-Silos auf der Whiteman-Luftwaffenbasis warnen beispielsweise ausdrücklich vor Schußwaffengebrauch. Weiterhin spiegelt sich die Schande des Staates wider in Anklagen, Verurteilungen und Haftstrafen als 'Terroristen', und das trotz ihrer Gewaltfreiheit, ihres opferbereiten Dienstes für die Armen und ungeachtet dessen, daß sie sich unter den Schutz göttlichen Rechts sowie des Völker-, des Verfassungs- und des Landesrechts stellen. Ihre Behandlung durch die Amtsträger offenbart ein Wahnsinnsparadox – jene, die die wahren Terroristen und ihre terroristischen Waffen aufdecken, werden selbst dem Tod, der Verletzung und der Haft als 'Terroristen' ausgesetzt.Fortsetzung auf der nächsten Seite