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Arbeitsform August-Camps

Bericht von den Tagen des Zivilen Ungehorsams

Die meisten von uns lebten auf einem Zeltplatz in Tierhaupten (8 km von Mutlangen entfernt). Bei diesem Zusammenleben versuchten wir, alle Entscheidungen basisdemokratisch in Bezugsgruppen und SprecherInnenrten zu treffen. Jede/r sollte die Mglichkeit haben, seine/ihre Gedanken und Gefhle in einer berschaubaren und (mehr oder weniger) vertrauten Gruppe zu uern. Keine/r sollte bergangen werden, nur weil er/sie in der 'Minderheit' war. Und gleichzeitig sollten die Gruppen prfen, welche Vorschlge wirklich von allen TeilnehmerInnen diskutiert werden sollten und was die Gruppe unter sich ausmachen konnte.

Da wir selten mehr als 60 Leute waren, konnte der SprecherInnenrat im sog. 'Fischbecken' stattfinden. D.h. alle Anwesenden konnten hren, was die anderen Bezugsgruppen besprochen hatten, whrend das Gesprch nur von den SprecherInnen gefhrt wurde bzw. werden sollte. Obwohl dieses System manchmal etwas anstrengend wurde, bewhrte es sich (unserer Meinung nach) erstaunlich gut whrend dieser Tage, vor allem wenn man bedenkt, wie viele unterschiedliche, sich meistens vllig fremde Menschen auf dem Camp zusammenkamen. Allein diese Erfahrung machte Mut.

Am Hiroshima-Tag bildeten wir um 8.15 Uhr einen Schweigekreis in der Hornbergstrae. Ab 9.30 Uhr (nach einem kurzen SprecherInnenrat) begannen die gewaltfreien Blockaden. Obwohl immer mehr Armeefahrzeuge im strmenden Regen warteten, rumte die Polizei erst nach 2 Stunden. Sie nahm jedoch nur 18 Personen fest, darunter Petra Kelly und Lukas Beckmann. Dorothee Slle, Annemarie Roth, Luise Olsen u.a. wurden nicht festgenommen. (Vielleicht haben die jungen Polizisten doch Hemmungen gegenber Frauen, die ihre Mtter sein knnten ...)

Im Laufe des Tages kamen dann immer neue BlockiererInnen. Erst nach der 3. Blockadeschicht gegen 15 Uhr waren alle festgenommen – fr Dorothee Slle gerade noch rechtzeitig, um bei der Pressekonferenz um 17 Uhr frei zu sein.

Am Mittwoch verteilten wir unsere ffentlichkeitsflugbltter in Schwbisch Gmnd, in Drfern der Umgebung und an alle Haushalte in Mutlangen. Am Tor des Pershing II-Lagers war meistens eine Mahnwache.
Rdiger Mller und Jo Schroers leiteten ein Seminar ber die Geschichte der Pressehtte; Rechtsanwalt Alfred Hinderer machte Rechtsberatung; und Axel Pfaff von der DFG-VK Reutlingen bot ein Seminar ber 'Einseitige Abrstung' an.

Am Donnerstag fand ein Training in gewaltfreier Aktion statt, u.a. mit (fernsehgestelltem) Blockade-Rollenspiel. Wir verteilten wieder Flugbltter, und es gab ein Seminar zum Thema Soziale Verteidigung.
Donnerstag und Freitag machten wir ein zweiteiliges Seminar ber 'Gewaltfreiheit als Aktionsform – Gewaltfreiheit als Lebensform'. Wir sprachen ber die uns umgebenden Gewaltstrukturen und ber unsere ngste und unsere Fhigkeiten, gegen diese Gewaltstrukturen anzukmpfen. Im zweiten Teil stellten wir brgerlichen Protest, gewaltfreie Aktion und revolutionre Gewalt (von der RAF bis zu Nicaragua) gegenber. Wichtig war dabei vor allem der Vergleich zwischen dem radikalen Einsatz der meisten gewaltsamen Revolutionre und unserer bisherigen Scheu vor Risiken im gewaltfreien Kampf...
Bericht im 3. Rundbrief November 1985