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Arbeitsform Kampagnen-Seminare

Fortsetzung von der vorigen SeiteDementsprechend schwierig einzuschätzen sind die möglichen Folgen des Urteils auf die Friedensbewegung. Bei allen Unwägbarkeiten waren wir uns jedoch einig, daß wir das Mutlanger Atomraketen-Lager gewaltfrei blockieren, weil wir die Stationierung von Massenmordwerkzeugen für ein Verbrechen halten, dem wir uns in den Weg setzen müssen.

D.h. die Notwendigkeit für unsere gewaltfreien Blockaden entsteht aus der Tatsache der Aufrüstung und unserer Gewissensentscheidung gegen diese Aufrüstung. Falls die Strafe also verringert werden sollte, wäre allein deshalb das gewaltfreie Blockieren sicher nicht überflüssig geworden – im Gegenteil; es sei denn, das BVerfG kann uns gleichzeitig argumentativ überzeugen.

Wir beschlossen, daß eine Gruppe von uns, zu der auf jeden Fall Wolfgang Sternstein, Heinz-Günter Lambertz, Volker Nick und Christof Then gehören sollen, einen weiteren Brief an das BVerfG schreiben wird. Wir wollen darin die Ankündigung einer Blockade am Tag nach dem Urteil zurücknehmen, noch einmal unsere Gründe für und unser Verständnis von gewaltfreien Blockaden erläutern, und wir werden ankündigen, daß wir eine Woche nach der Urteilsverkündung erneut in Mutlangen eine gewaltfreie Blockade durchführen werden, falls nach dieser Woche die gemeinsame Prüfung des Urteils zweifelsfrei ergeben hat, daß unsere Argumente uneingeschränkt weitergelten. Der Brief soll nicht im Namen der Kampagne unterzeichnet werden. Vielmehr sollen die VerfasserInnen sich als Arbeitsgruppe der Kampagne vorstellen. (...)

BLOCKADE-HERBST:

(...) Alle SeminarteilnehmerInnen spürten wohl ein Stück Faszination von diesem gewaltfreien Eskalationskonzept ausgehen. Aber es gab auch eine ganze Anzahl von Vorbehalten: Dieses Konzept überfordere unsere Kraft; es sei kaum zu schaffen, neben allen anderen Aktionen noch 70 Blockadegruppen für einen Monat zusammenzubekommen. Ist diese Konzentration überhaupt wünschenswert? Es sei problematisch, diese Blockade-Eskalation in diesem Jahr in Mutlangen durchzuführen, da es eine Überforderung der Menschen vor Ort (Pressehütte, Friedensgruppen) sei, und gleichzeitig die Gefahr bestünde, daß öffentliche Aufmerksamkeit vom Hunsrück abgezogen wird, wodurch der Widerstand dort

geschwächt werden könne. Es bestünde die Gefahr, daß sich Gruppen an diesem Konzept beteiligen, die mit dem Geist und Inhalt der Kampagne eigentlich nicht viel anfangen können.

Bei der weiteren Planung des Blockade-Herbstes soll deshalb versucht werden, diese Bedenken mit einzubeziehen: Wir dürfen nichts 'verzwingen'; falls sich abzeichnet, daß wir zu wenige sind, lassen wir die 'Blockadeflut' erst eine Woche später beginnen.
Mutlangen darf keine Konkurrenz für den Hunsrück werden; die inhaltliche Ausgestaltung unserer Aktionen, unserer ganzen Kampagne soll die Stationierung der Marschflugkörper ausdrücklich zum Thema haben; am 11. Oktober beteiligen wir uns möglichst alle an der Demonstration im Hunsrück.

Es war klar, daß alle MitarbeiterInnen der Kampagne gefordert sind, wenn dieses Konzept Realität werden soll. In Städten, in denen mehrere UnterzeichnerInnen wohnen, sollen möglichst bald Regionalgruppen gebildet werden (sofern sie noch nicht bestehen), die sich gemeinsam überlegen, ob sie einen Blockadetermin bzw. einen Tag mit mehrfachen Blockaden übernehmen wollen. Dieser Tag soll langfristig vorbereitet werden durch Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Büchertische, Leserbriefe etc.) in der Region, durch gewaltfreie Trainings in der Gruppe, wenn möglich auch durch vorherige Besuche in Mutlangen (falls die Fahrt nicht zu weit ist).
Vor allem die übrigen Friedensgruppen und auch die örtliche 'Friedensprominenz' sollte angesprochen werden, ob sie ihr Verhältnis zum Zivilen Ungehorsam zu intensivieren bereit wären. Neben diesen Aufgaben, die von jeder einzelnen Region selbständig gestaltet werden können, sollten andere Dinge von einzelnen Gruppen für alle anderen Gruppen vorbereitet werden: Ein Flugblatt für Polizisten ist sicherlich unerläßlich, ebenso ein englisch-sprachiges Flugblatt für die amerikanischen Armeeangehörigen. Sobald diese Flugblätter von einer Gruppe fertiggestellt sind, könnten sie von allen Gruppen verwendet werden.
aus dem 4. Rundbrief Februar 1986