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Arbeitsform Kampagnen-Seminare

Obwohl die bisher dargestellten Arbeitsformen grundstzlich auf Transparenz und die Mglichkeit kritischer Mitarbeit ausgerichtet waren, reichten sie nicht aus, um weitergehende Entscheidungen basisdemokratisch zu legitimieren und umzusetzen. Deshalb enthielten unsere Rundbriefe meistens auch eine Einladung zum nchsten Kampagnen-Seminar, das immer von Freitagabend bis Sonntagnachmittag in der Jugendherberge Schwbisch Gmnd stattfand.

Diese Seminare dienten vor allem dazu, uns untereinander besser kennenzulernen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, die nchsten Schritte zu klren, Differenzen darzustellen und auszurumen und Hoffnung aufzubauen.

Grere Aktionen wie Senioren-Blockaden, Blockade-Herbst und August-Camps wurden auf den Seminaren vor- und nachbereitet; ein Dauerbrenner der Auseinandersetzung war natrlich die juristische Entwicklung: erste Freisprche, dann das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, Gefngnisaufenthalte usw.

Wir arbeiteten viel mit Elementen von Gewaltfreiheits-Trainings: Runden, Kleingruppen, Rollenspielen usw., wir sangen und spielten zusammen, wir schwtzten und tranken bis in die frhen Morgenstunden, wir erlebten uns als eine alle Generationen umfassende Widerstandsgemeinschaft.

Auch bei den Seminaren war der 'Offene Brief an die Bundesregierung' die einzige verbindliche Grundlage. Die Seminare sollten keine Diskussionsveranstaltungen ber die Kampagne sein, sondern uns selber helfen, mit unserem Impuls voranzukommen, trotz aller Arbeitsteilung und auch Konflikte.

Beim ersten Seminar waren wir zu acht, fnf aus Tbingen und drei aus der Region Schwbisch Gmnd. Ab dem vierten Seminar 17.-19. Januar 1986, dessen Protokoll wir hier auszugsweise bringen, um das oben Erwhnte etwas zu dokumentieren, waren wir meist so 40 bis 80 TeilnehmerInnen.

Bericht vom Wochenende

ALLGEMEINES:

Insgesamt nahmen ber 50 Menschen an diesem Wochenendseminar teil. Besonders ermutigend war, da wir Menschen aller Altersstufen und sehr vieler Berufe waren. Die meisten von uns kamen zwar immer noch aus dem wrttembergischen Raum (vor allem aus Stuttgart, Gmnd, Tbingen, Reutlingen), aber es waren auch TeilnehmerInnen aus dem Klner Raum, aus Mnchen, Oberschwaben, Franken, Baden und anderen Gegenden anwesend – endlich werden wir wirklich bundesweit.

Um mit der Stimmung anzufangen: In der ausfhrlichen Abschlurunde brachten fast alle TeilnehmerInnen zum Ausdruck, da sie das Seminar als fruchtbar und motivierend fr die weitere Friedensarbeit erlebten. Obwohl wir zu wenig Pausen hatten, herrschte whrend des ganzen Wochenendes eine sowohl ernste und konzentrierte, als auch immer wieder sehr frhliche und solidarische Stimmung; der Zusammenhalt untereinander war ebenso sprbar wie der Wille, den zivilen Ungehorsam und unsere Kampagne verstrkt in die regionalen und berregionalen Friedensgruppen hineinzutragen, eigene Regionalgruppen zu bilden, die Kampagne zu dezentralisieren und damit zu demokratisieren. Das alles bedeutet fr uns ein Stckchen Hoffnung angesichts einer politischen Situation, die eigentlich Anla zur Verzweiflung ist. (...)

ERGEBNISSE DER DISKUSSION BER DAS BUNDESVERFASSUNGSGERICHT:

Die Diskussion auf dem Seminar verdeutlichte die Brisanz des anstehenden Urteils fr unsere Kampagne und fr jede/n Einzelne/n von uns. Nach unserem Grundgesetz sollte das BVerfG die Kontrollinstanz der Legislative und der Exekutive sein, so etwas wie das 'Gewissen unseres Staates'. Eine gewaltfreie Blockade nach dem Urteil des BVerfG wird auf jeden Fall etwas anderes bedeuten, als unsere gegenwrtigen Blockaden vor diesem Urteil.
Wir waren uns auch darber einig, da das Ergebnis des Verfahrens fr uns zur Zeit nicht einschtzbar ist – die Dauer des Verfahrens ist ein Indiz dafr, da das BVerfG nicht so richtig wei, was es mit uns machen soll – sicherlich ein Teilerfolg fr uns. (...)
aus dem 4. Rundbrief Februar 1986