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Arbeitsform Rundbrief

Offener Brief an die Bundesregierung

KOHLBRIEF-KAMPAGNE

1. RUNDBRIEF AN ALLE UNTERZEICHNER DER SELBSTVERPFLICHTUNG UND DER SOLIDARITÄTSERKLÄRUNG
November 1984

LIEBE KOHLBRIEFUNTERZEICHNER UND FRIEDENSFREUNDINNEN

Inzwischen haben ca. 80 Menschen die Selbstverpflichtung und über 140 Menschen die Solidaritätserklärung unterschrieben. Mit diesem Rundbrief wollen wir einen ersten Versuch machen, einen Austausch aller UnterzeichnerInnen untereinander zu ermöglichen.

Wir fänden es sehr schön, wenn jede/r Unterzeichnerin sich überlegen könnte, in welcher Weise er bzw. sie – über die Unterschrift hinaus – sich vorstellen könnte, diese Kampagne zu unterstützen und weiterzuverbreiten. Zu diesem Zweck liegt diesem Rundbrief ein weiterer Offener Brief bei. Wir schlagen z.B. vor, daß Menschen, die in der selben Stadt wohnen, untereinander Kontakt aufnehmen. (Die Adressen könnt Ihr im Friedensbüro Tübingen erfragen.)

Je länger die Kampagne läuft, desto mehr hat sie uns bisher in folgenden Überlegungen bestärkt:

Obwohl Blockaden in Mutlangen aus der Mode gekommen zu sein scheinen, stellen sie weiterhin die Aktionsform des Zivilen Ungehorsams dar, die auch einer breiteren Bevölkerungsschicht am leichtesten zu erklären ist, bzw. bei der auch 'normale' Menschen am leichtesten mitmachen können.

Blockaden in Mutlangen sind der beste uns bekannte Einstieg in eine Lebensform, die zivilen Ungehorsam miteinschließt, ohne vom Einzelnen gleich zu verlangen, daß er alle beruflichen und sozialen Bindungen opfert.

Die Kohlbriefkampagne ermöglicht eine gegenseitige Unterstützung von lokaler Friedensarbeit (Information und Aufklärung, ABC-Waffenfreie Zonen, lokaler Ziviler Ungehorsam usw.) und von bundesweit gebündelten Widerstandshandlungen in Mutlangen.

Wer sich an der Kohlbriefkampagne beteiligt, kann mit einem Minimum an organisatorischem Aufwand ein Höchstmaß an politischer Wirkung erreichen. Er/sie kann in kleinen, überschaubaren (Bezugs-)Gruppen handeln und Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig ist er/sie Teil und Untcrstützerln einer kontinuierlichen Aktion, die sehr viele Menschen umschließen kann.
Ihr könnt die Blockaden so kreativ und selbstverantwortlich gestalten, wie es Eure Gruppe will und kann, ohne daß Ihr unter dem Druck steht, einen Kreativitätswettbewerb gewinnen zu müssen, und ohne daß Euch Eure Kreativität isoliert.

Die Kampagne ist nicht auf ein bestimmtes Datum fixiert (Ostern, Pfingsten, Herbst, Weihnachten und wieder von vorn ...). Sie verbindet unsere Lebensform mit der Notwendigkeit und Hoffnung auf Abrüstung.

Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, wie die Stationierung und andere Kriegsvorbereitungen nach dem AirLand-Battle-Konzept unbeeinträchtigt von einem Anwachsen der Kohlbrief-Kampagne durchgesetzt werden können. Wenn nur ein Teil der Bevölkerung sich zu kontinuierlichem gewaltfreiem Widerstand verpflichtet, wenn dieser Widerstand selbstverantwortlich und offen durchgeführt wird, wenn er mit intensiver Bevölkerungsaufklärung und mit einem Zugehen auf die politisch Verantwortlichen verbunden ist, dann kann eine Regierung auf die Dauer gar nicht anders als abrüsten. Uns muß völlig klar sein, daß wir uns mit weniger nicht abfinden können.
Selbstdarstellung der Kampagne im ersten Rundbrief