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Graswurzelprinzip Konsens

... bedeutet, da alle wichtigen Fragen von allen gemeinsam entschieden werden mssen. Mehrheitsentscheidungen, bei denen Minderheiten gezwungen werden, sich der Mehrheit zu fgen, gibt es nicht. Beispielsweise kann keine 51 % Mehrheit darber befinden, ob die gesamte Gruppe ausschlielich Raketen-Transporte oder auch Mannschafts-Transporte oder auch Untersttzungs-Fahrzeuge oder auch das Militrpostauto blockieren soll; was alle gemeinsam betrifft, was jede und jeder Einzelne eventuell spter vor Gericht zu verantworten hat, mu sowohl eigenverantwortlich als auch gemeinschaftlich entschieden worden sein.

Das Arbeiten im Konsens prgt eine Gruppe von Grund auf: Der Blick ist nicht auf die strkste Fraktion gerichtet, sondern auf die Gesamtheit. Wer sich in der Minderheit sieht, ist nicht aus der Verantwortung entlassen, sondern vielmehr in sie gestellt: ich mu dann entscheiden, ob ich Entscheidungen blockiere, oder ob es mir gemeinsam mit den anderen gelingt, Alternativen zu entwickeln, die von allen mitgetragen werden knnen.

Fr Ungebte mag die Suche nach einem Konsens langwierig bzw. fr politisches Handeln zu kompliziert und unrealistisch erscheinen. Aber wenn man sich drauf einlt, dann wchst die Qualitt der Entscheidungen, und gleichzeitig wchst durch diesen Proze auch die Gruppe zusammen. Die Voraussetzungen steigen, da die Folgen der Aktion gemeinsam getragen werden: der erhhte Zeit- und Krafteinsatz zahlt sich meist aus.

Leben und politisches Arbeiten nach dem Konsensprinzip ist eine Kunst, die erlernt werden kann – und mu! Es geht immerhin darum, die in unserer Gesellschaft bliche und auch recht bequeme Mehrheitsdiktatur ber die Minderheiten zu einer wirklichen Demokratie weiterzuentwickeln, eine Aufgabe, die angesichts unserer menschlichen Macken, gegenber unserem brgerlichen Individualismus nicht leicht ist. Andererseits fhrt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, da unser berleben an die Einsicht und verantwortliche Mitarbeit aller geknpft ist.

Viel hngt davon ab, da man einbt, sich zunchst ber das Gemeinsame zu verstndigen, und erst dann die Dissenspunkte herausarbeitet. Hilfreich ist auch die Unterscheidung zwischen einem 'heien', von allen begeistert aufgenommenen Konsensvorschlag, und einem 'lauwarmen' Konsens, der zwar niemand begeistert, mit dem aber alle leben knnen. Auch insofern ist die Konsenssuche ein auf Utopie zielender Versuch: wir werden sicherlich keine homogene Gesellschaft erreichen knnen, wo alle mit allem einverstanden sind; das Ziel mu vielmehr eine Gesellschaft sein, in der mit Konflikten so umgegangen wird, da eine Mehrheit ausreichend Rcksicht auf die Minderheit nimmt: die Gewaltfreiheit, die Achtung der Menschenwrde aller steht nicht zur Disposition, lediglich die Wege, wie wir sie anstreben.

Noch schwieriger wird die Konsenssuche, wenn mehrere Gruppen eine gemeinsame Aktion durchfhren. Dann werden 'SprecherInnenrte' eingerichtet, zu denen jede Gruppe ein oder zwei SprecherInnen schickt. Der SprecherInnenrat hat als solcher keine Entscheidungsbefugnis. Er kann lediglich feststellen, an welchen Punkten die verschiedenen Gruppen sich einig sind und an welchen (noch) nicht. Die Dissenspunkte werden dann wieder in die einzelnen Bezugsgruppen zurckgetragen mit der Aufgabe, konsensfhige neue Lsungsvorschlge zu suchen. Diese werden wieder in den SprecherInnenrat eingebracht. Stellen sie sich doch nicht als konsensfhig heraus, mu der Proze von vorne beginnen.