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Graswurzelprinzip Bezugsgruppensystem

Wer sich gewaltfrei und zivil ungehorsam der geballten Staatsmacht entgegenstellen will, sollte das mglichst im Rahmen einer Bezugsgruppe tun, einer berschaubaren Gruppe von 10 - 20 Personen, in denen Vertrauen, ein Bezug aller Gruppenmitglieder zu allen anderen Gruppenmitgliedern aufgebaut werden kann.

Wenn ich wirklich mich und die Gesellschaft verndern will, dann darf ich nicht als EinzelkmpferIn arbeiten, dann brauche ich einen Kreis, wo ich meine Hoffnungen und Utopien erarbeiten und aussprechen kann und meine ngste, Verdrngungen, Enttuschungen zusammen mit anderen verarbeiten kann; die Bezugsgruppe ist der Ort, wo ich mir und anderen gegenber Rechenschaft ablege ber meine Motive, meine Entschlossenheit, meine Bedenken; dort kann ich politische Erfahrungen reflektieren und entscheiden, welche Aktion uns weiterbringen knnte. Unabdingbar ist, da die Bezugsgruppe einen geschtzten Raum bildet, wo ich lernen kann, Offenheit, kommunikativen Mut zu entwickeln und heiler zu werden; und da sie ffentlich genug ist, so da alle Selbsterfahrung samt Psychostre in einem politischen (statt therapeutischen) Zusammenhang stehen.

Die Bezugsgruppe ist die Schnittstelle zwischen meinem Alltag und meiner Widerstandsarbeit am Ort des Unrechts; in der Bezugsgruppe kann und mu ich mir immer wieder die Frage stellen (lassen), inwiefern mein Widerstand eine uerliche Pose ist, wo es mir an Ganzheitlichkeit und damit auch an Glaubwrdigkeit und Wirksamkeit mangelt, und ob mir das egal sein kann.

Wenn ich mir nicht mehr sicher bin, wer sich hier eigentlich verrannt hat: ich mit meinem Widerstand oder der unbeirrt aufrstende Rest der Gesellschaft, dann mu eine funktionierende Bezugsgruppe da sein, die mir beim Auseinandersortieren der in mir kmpfenden Krfte hilft. Insofern ist die Bezugsgruppe auch der beste Schutz gegen die Gefahr, innerlich abzuheben und fanatisch zu werden, oder auch die Verantwortung zu verdrngen und zu resignieren. Darber hinaus ist die Bezugsgruppe mein Rckhalt, wenn es darum geht, Risiken einzugehen, Polizeieinsatz, Strafverfolgung, evt. Gefngnis durchzustehen; ohne Bezugsgruppe ist die Gefahr unkalkulierbar, zu schnell von der staatlichen Reaktion eingemacht zu werden.
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
Foto: Erika Sulzer-Kleinemeier
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Das Leben und politische Arbeiten in Bezugsgruppen ist unsere Antwort auf und in einer Gesellschaft, in der die Atomisierung aller Einzelnen bzw. ihre Vermassung scheinbar unaufhaltsam voranschreitet; das Bezugsgruppensystem ist der Versuch, eine menschengerechte, gemeinschaftliche Lebensform, eine gewaltfreie Kultur einzuben.

Die Bezugsgruppe lebt – oder stirbt – mit dem Anspruch, da vollstndige Eigenverantwortlichkeit aller Einzelnen einem gemeinschaftlichen Handeln nicht individualistisch entgegensteht, sondern es vielmehr verstrkt und wirksam macht. Das Zauberwort dafr heit 'Konsens'.