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Graswurzelprinzip Ziviler Ungehorsam
Christof Then im Reader der Tagung 'Gewaltfreie Politik', Dezember 1987:
Unseres Erachtens sollte, wer sich entschliet, zivilen Ungehorsam zu leisten, sich an folgende Bedingungen halten und folgende Voraussetzungen bercksichtigen:
(1)Wer Zivilen Ungehorsam zu leisten entschlossen ist, mu berzeugt sein, da ein schwerwiegendes, nicht hinnehmbares, staatliches Unrecht vorhanden ist.
(2)Wer Zivilen Ungehorsam leistet, mu berzeugt sein, da es kein anderes wirksames Mittel gibt, das Unrecht zu beseitigen, als das Mittel des Zivilen Ungehorsams.
(3)Wer Zivilen Ungehorsam leistet, mu sich in der Vorgehensweise strikt an den Prinzipien der Gewaltfreiheit orientieren, d.h.:
a) Aktionen des Zivilen Ungehorsams schlieen eine Vorgehensweise aus, die andere Menschen tten oder verletzen oder bedrohen knnte, die gegen die Wrde des Menschen, gegen die Menschenrechte verstt, die die Persnlichkeitsrechte Anderer verletzt.
b) Wer Zivilen Ungehorsam leistet, stellt sich bewut und offen der gewaltfreien Konfrontation mit Polizei, Militr und Justiz und bemht sich um einen permanenten Dialog mit allen an dem Konflikt beteiligten gesellschaftlichen Krften.
c) Wer Zivilen Ungehorsam leistet, greift auch dann nicht zur Gewalt, wenn der Staat die Polizei, das Militr oder die Justiz zu gewaltttigen oder gewaltsamen Mitteln greift.
d) Wer Zivilen Ungehorsam leistet, versucht die Gewalt-Gegengewalt-Spirale zu durchbrechen, indem er/sie eher Gewalt auf sich nimmt, als Gewalt anzuwenden. Er/sie versucht dabei, die Momente im Gegenber, Gegner, Konfliktpartner anzusprechen, die nicht auf Blindheit, Zerstrung und Ha ausgerichtet sind, sondern auf Erkenntnis, Vershnung und Liebe.
(4)a) Die Aktionen des Zivilen Ungehorsams sollen direkt in das staatliche Unrecht eingreifen, und zwar so, da langfristig gesehen ein gesellschaftlicher, politischer Druck entstehen kann, der geeignet ist, das Unrecht zu beseitigen.
b) Wenn der/die Zivilen Ungehorsam Leistende dabei Gesetze oder Gesetzesauslegungen berschreitet bzw. polizeiliche Anordnungen miachtet, so tut er/sie das bewut und in aller ffentlichkeit, er/sie ist bereit, die vom Gericht verhngte Strafe auf sich zu nehmen und wenn ntig ins Gefngnis zu gehen.
(5)Wer sich entschliet, Zivilen Ungehorsam zu leisten, verpflichtet sich, erst dann auszusetzen,
a) wenn der Unrechtszustand beseitigt ist oder
b) wenn aller Wahrscheinlichkeit nach andere Abhilfe gegen das Unrecht wieder mglich ist oder
c) wenn man von der Richtigkeit seiner Argumentation nicht mehr berzeugt ist.