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Vorbild Martin Luther King

Der neben Gandhi wichtigste 'Heilige' unserer Kampagne war Dr. Martin Luther King jr. Auf der Rückseite des Selbstverpflichtungs- und Solidaritätserklärungs-Abschnitts des Kampagnen-Flugblatts stand:

„In einer Welt, die dem Aufstand zerlumpter und hungriger Massen entgegenblickt, in einer Welt, die in der Spannung zwischen West und Ost zerrissen wird, in einer Welt, deren kulturelle und geistige Macht so weit hinter ihren technischen Fähigkeiten nachhinkt, daß wir jeden Tag am Abgrund nuklearer Gesamtvernichtung leben, in dieser Welt ist Gewaltfreiheit kein Gegenstand theoretischer Untersuchung mehr, sondern ein Gebot zu handeln.”

Martin Luther King vor Zuhörern
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Wir zitieren aus:
Martin Luther King
„Schöpferischer Widerstand”,
GTB Siebenstern, Gütersloh 1985 S. 56 ff

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„Freiheit. Von der Praxis des gewaltlosen Widerstandes”,
R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 1984 S. 152-157
(„Stride towards Freedom” Harper & Brothers,
New York, USA, 1958)

Die Zeit für schöpferischen Protest ist gekommen

Ich behaupte, daß der die größte Hochachtung vor dem Gesetz zeigt, der ein Gesetz bricht, das ihm vor seinem Gewissen ungerecht erscheint, und bereitwillig die Strafe auf sich nimmt und ins Gefängnis geht, um damit das Gewissen seiner Mitbürger wachzurütteln und ihnen die Augen für die Ungerechtigkeit dieses Gesetzes zu öffnen. Wir dürfen niemals vergessen, daß alles, was Hitler in Deutschland tat, 'legal' und alles, was die ungarischen Freiheitskämpfer taten, 'illegal' war. In Hitlerdeutschland war es 'ungesetzlich', einem Juden zu helfen. (...)

Ich bin beinahe zu dem Schluß gekommen, daß das große Hindernis auf dem Weg des Negers in die Freiheit nicht der Ku-Klux-Klan ist, sondern der gemäßigte Weiße, dem 'Ordnung' mehr bedeutet als Gerechtigkeit; der einen negativen Frieden, in dem es keine Spannungen gibt, einem positiven Frieden, in dem Gerechtigkeit herrscht, vorzieht; der ständig sagt: "Mit Ihrem Ziel bin ich völlig einverstanden, nicht aber mit Ihren Methoden der direkten Aktion"; der meint, in väterlicher Fürsorge die rechte Zeit für die Freiheit eines anderen bestimmen zu müssen; der dem Neger immer wieder rät, einen 'passenderen' Zeitpunkt abzuwarten. (...)

Eigentlich sind wir, die wir uns an einer direkten Aktion beteiligen, nicht die, die die Spannung erzeugen. Wir bringen nur die bereits vorhandene, verborgene Spannung an die Oberfläche. Wir holen sie ans Tageslicht, damit man sie sehen und sich mit ihr befassen kann. Wie ein Furunkel, der erst heilen kann, wenn er geöffnet und mit seiner ganzen eitrigen Häßlichkeit den natürlichen Heilkräften der Luft und des Lichtes ausgesetzt wird, so muß auch die Ungerechtigkeit mit all der Spannung, die sie erzeugt, erst ans Licht des menschlichen Gewissens und an die frische Luft der öffentlichen Meinung gebracht werden, um heilen zu können.

Sie behaupten, daß unser Vorgehen zwar friedlich, aber trotzdem verwerflich sei, weil es Gewalttätigkeiten heraufbeschworen habe. Ist diese Behauptung logisch? Heißt das nicht, den Beraubten zu verdammen, weil er dadurch, daß er Geld besaß, die verwerfliche Tat des Raubes heraufbeschwor? (...)

Ich hatte auch gehofft, daß der gemäßigte Weiße den Mythos der Zeit als verwerflich ablehnen würde, (...) die merkwürdig unrealistische Vorstellung, daß die Zeit die Fähigkeit besäße, unweigerlich alle Übel zu heilen. Die Zeit ist aber durchaus neutral, sie kann sowohl destruktiv als auch konstruktiv verwendet werden. Ich glaube allmählich, daß die Menschen bösen Willens ihre Zeit wesentlich nützlicher verwendet haben als die Menschen guten Willens.