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Wie die Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung funktionierte

Fortsetzung von der vorigen Seite Dennoch fiel es nicht leicht, die ARBEITSFORMEN unserer Kampagne zu entwickeln: die Geschäftsführung im Friedensbüro Tübingen (S. 74), den 'Offenen Brief an die Bundesregierung' (S. 76) mit Selbstverpflichtung (S. 78) und Solidaritatserklärung (S. 80), den erläuternden 'Beibrief' zum 'Offenen Brief´(S. 82); erst später merkten wir, daß wir damit auch die Verantwortung für mehr oder weniger regelmäßige Rundbriefe (S. 84) übernommen hatten, für die Vorbereitung und Durchführung von Kampagnen-Seminaren (S. 86), für den Aufbau und die Koordination von Regionalgruppen (S. 88).

Jede einzelne dieser Arbeitsformen verstanden wir als Versuch, die übernommene Verantwortung wieder zu teilen; – die Erwartung und Hoffnung, daß dadurch für uns Initiatoren eine Verringerung unserer Verantwortlichkeit eintreten würde, erwies sich jedoch als Illusion: die Notwendigkeit blieb, die vielfältigen Gruppen zu gemeinsamen Aktionen zusammenzuführen wie zu unseren August-Camps (S. 90), sowie eine Dauergruppe (S. 92) für noch größere Aktionszusammenhänge ins Leben zu rufen, etwa für den Blockade-Herbst 1986 (S. 94), für den wir ein Handbuch zusammenstellten (S. 96).

Im Laufe der Arbeit entwickelte sich eine Vielzahl von BLOCKADE-FORMEN: Wir dokumentieren Prominenten-Blockaden (S. 108), Geburtstags-Blockaden (S. 114), Blockaden christlicher Gruppen (S. 116), Regionalgruppen (S. 118), anderer Friedensorganisationen (S. 120), von Ärzten (Foto S. 121), ausländische Gruppen (S. 122), Atom-Teststopp-Blockaden (S. 124), und andere (S. 126).

Aus solchen meist kleineren Aktionen entstanden schließlich größere Projekte wie die Konzert-Blockade (S. 130), die erste Senioren-Blockade 1986 (S. 132), die zweite Senioren- und Manöver-Blockade 1987 (S. 142), die Herbstmanöver-Blockade 1987 (S. 150), die Richter-Blockade (S. 154) und so provokative Blockaden wie zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts (S. 156), die Prozeß-Blockaden (S. 160) und der Plan einer täglichen Blockade, die dann nicht mehr nötig war.

Aus heutiger Sicht scheint vieles selbstverständlich und fast vorprogrammiert, was uns damals erst nach intensivem gemeinsamem Nachdenken einfiel. Die meisten von uns hatten wenig

politische Erfahrung, jeder Schritt mußte neu geboren werden, oft unter unsäglich langem Zweifeln und Abwägen. Mit jedem Schritt nahm unsere organisatorische Verantwortung zu – meist kostete es uns mehr Mut, uns diesen Aufgaben kontinuierlich zu stellen, als uns den Militärfahrzeugen immer mal wieder in den Weg zu setzen.

Zum Schluß dieses zweiten Teils dokumentieren wir – parallel zum Kapitel 'dem Gegner begegnen' im ersten Teil – unseren Umgang mit unseren KONFLIKTPARTNERN: Bundesregierung (S. 162), Militär (S. 164), Polizei (S. 168), Justiz (S. 174) und Gefängnis (S. 188).

Die Abrüstung der Pershing II ist sicherlich nicht unser alleiniger Erfolg, sondern wir schulden ihn der gemeinsamen Anstrengung aller für den Frieden aktiven Menschen. Wir können hier andere Gruppen und Organisationen (von der 'Pressehütte' über den 'Verein Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen' bis zu den überregionalen Friedensorganisationen) nur erwähnen, wo sie im Zusammenhang mit der Kampagne wesentlich erscheinen. Die Auseinandersetzung mit ihnen kann – wie auch die inneren Widersprüchlichkeiten der Kampagne selber – nur angedeutet werden.

Blockade des Lagertores · Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM
Foto: Thomas Pflaum c/o VISUM