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Knast

Der Richter sitzt nicht,
der sitzt vor, im Gericht.
Und der Verantwortliche, der den Vorsitz führt,
der sitzt nicht nach, der tritt im Fall noch zurück.
Doch du hast die Haftung für dich übernommen:
du fällst durch die Gitter, gefangen, der Fall
ist abgeschlossen und du bist allein.

Der Knast dramatisiert das Unrecht,
sagt Holger.
Nein sondern für die anderen, draußen,
für dich ist es Alltag, im Loch.
Mag sein, der Knast ist nur die Angst vor dem Knast.
Und unser Privileg das bürgerliche Ehrenrecht,
den Knast zu unsrer Kultur zu machen, gut. Widerstandskultur,
sehr gut, aber die andern Gefangenen? Und deine Mutter?
Briefe kommen, und Zeitungsausschnitte bleiben.
Und du spürst deine Narben.

Knast ist der einzig wahre Ort in dieser Gesellschaft,
sagt Volker
Nein unserer, von Auschwitz bis Pershing.
Mag sein, das einzig Wahre
ist Zweifel–Haft:
wenn die uniformierte Staatsgewalt
dir nicht mehr als Soldat, Polizist, Richter begegnet,
wenn als Beschließer nur noch ein Wärter auftritt,
hinter Gittern, nach der Pflicht
im Bau, noch menschlich. Und wartend.

Wenn die Gefängnisse nicht mehr abschreckend wirken,
sagt Christof
wird die Ohnmacht zur stärksten gewaltfreien Waffe.
Wenn der Kollege bei Kaffee und Zeitung den Kopf schüttelt,
wenn der Politiker von Amnestie redet
und die Herrschenden erzittern,
sitzt du erst hinter Gittern ...
dann führt uns deine Einsamkeit zusammen
deine Zweifel klären unser Ziel
deine Schwäche leiht jedem seine Kraft,
dann setzt dein Knast uns frei.
Volker Nick in Ordnungshaft 10.-16.7.84 · Foto: privat
Volker Nick in Ordnungshaft 10.-16.7.84
Foto: privat
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